Geschichte:
Wir schreiben das Jahr 2026.
20 Jahre werden es im Sommer diesem Jahres, als wir den Kaufvertrag für unsere „All Right 2“ bei Allert Marin, nahe Potsdamm,unterschrieben haben. Wir waren damals mit unserem Sohn auf dem Weg zur Ostsee, um ein Schiff bei Mola zu chartern… immerhin mußten wir den Sommer ohne eigenes Boot überstehen.
Die „ All Right“ hatten wir im Frühjahr 2006 in der Türkei verkauft.Unsere neue „All Right 2“ wurde erst im Herbst 2006 produziert.



Wie weiter?:
Genug der Vorrede über die Vergangenheit. Schon im Jahr 2025 haben wir uns Gedanken gemacht, wie weiter mit dem Segeln. Beide, Moni und ich gehen auf die 70 zu. Moni mag nicht mehr die langen Törns und immer nur alleine segeln ist auch nicht das Gelbe vom Ei. Seit unserer Reise nach Neuseeland im Frühjahr 2025 denken wir über ein Wohnmobil nach. Nur noch eine große Reise mit der „All Right2“ nach Südengland und zu den Kanalinseln, dann verkaufen wir das Schiff und legen uns ein Wohnmobil zu.
Aber alles geht schneller:
Wir haben einen Makler, den Olli Leu in Heiligenhafen, beauftragt einen Käufer für unsere „All Right 2“ zu finden. Wir rechnen mit einem langwierigem Verkaufsprozeß. Aber dann, schon nach 5 Wochen wird uns ein potentieler Käufer präsentiert.
Neues Glück:
Und parallel sehen wir bei Kleinanzeigen einen vollintegrierten HYMER. Ein Wohnmobil der Extraklasse. Ein älteres Stück aben nur wenige Kilometer auf der Uhr. Wir fahren Richtung Saarland und schauen uns den ersten an. Der war nicht gut. Aber gleich in der Nähe ein weiterer HYMER, 7,70 Meter lang, Sprinterbasis, 6-Zylinder, Hinterradantrieb… ein geiles Stück und wir zahlen an.




Der erste Interessent für das unser Schiff:
Zurück in Gustow wird es Ernst. Die Bootsinteressenten kommen zur Besichtigung unserer Yacht und scheinen interessiert zu sein. Wir zeigen unser Schiff, welches noch in der Halle steht. Die Bootsinteressenten fahren wieder richtung Hamburg und bitten um Bedenkzeit. Sicher muß eine solche Entscheidung wohl abgewogen werden.
Unsere erste Reise mit dem Landschiff:
In der Zwischenzeit machen wir unsere erste Ausfahrt mit dem Landschiff, dem Wohnmobil, welches wir sicher „All Right 3“ nennen werden. Wir fahren erst Richtung Lüneburger Heide, zu unserer Tochter, übernehmen den Timmy, den Pudel und fahren weiter Richtung Bremerhaven. Von hier geht es weiter zum Nordostseekanal. Wir stellen uns auf einen Wohnmobilstellplatz direkt am Kanal und schauen Schiffe. Bekloppt – denke ich. Früher, wenn wir oder ich durche den Nordostseekanal mit unserer „All Right 2“ geschippert sind habe ich immer gedacht, was für Idioten dort in ihren Campern, die Schiffe schauen. Heute gehören wir nun selbst zu dieser Spezi.
Weiter fahren wir nach Heiligenhafen. Wir besuchen unseren Makler, den Ulli Leu. Reden mit ihm nochmal darüber, wie es nun weitergeht. Noch ist keine Entscheidung vom potentiellen Käufer da. Wir fahren weiter zur Insel Poel. Hier erreicht mich eine Mail vom potentiellen Käufer mit einem Kaufangebot. Ich bin nicht sonderlich erbaut über das Angebot. Na, soetwas muß man erst mal verarbeiten.



Alles eine Frage des Standpunktes:
Zurück in Gustow, bei uns zu Hause fangen wir an zu denken und zu überlegen. Es gibt offenbar zwei Herangehensweisen, an den Verkauf und den Kauf. Die eine Seite ist der Verkäufer, die andere der Käufer.
Unsere Sicht bezieht sich auf unseren damaligen Kaufpreis und was wir so alles erneuert und reingesteckt haben. Damals, als wir unser Schiff gekauft haben, war es „nackt“. Man konnte es sicher segeln aber mit Standardbeseglung von der Stange und ohne Rettungsinsel und ohne das, was ein eigenens Schiff ausmacht. Wir haben sicher über die 18 jahre nochmal 2/3 vom Kaufpreis in Nachrüstung, Ergänzung und Erneuerung und Wartung reingesteckt.
Der Käufer eines Gebrauchtbootes denkt sicher anders. Er setzt sich ein Budget, eben niedriger als der Neupreis eines vergleichbaren Neu-Bootes. Er möchte aber auf der anderen Seite maximale Ausrüstung, einen gepflegten Zustand, am liebsten keine Motorstunden und alles soll sogut wie neu sein. Dabei will er nur für einen Rumpf mit ein paar Segeln und Motor bezahlen, so wie es die Vergleiche im Internet zeigen…
Tja, das sind die Unterschiede im Standpunkt. Alles ist eine Frage der Betrachtung.
Aber wir sind getrieben vom Wunsch zu verkaufen. Wir müssen uns entscheiden zwischen vielen Interessenten und Besichtigungen im Verlaufe eines langen Zeitraumes und das beschäftigt. Oder wir machen es jetzt und sind das Themas los und können uns unserer neuen Herausforderung widmen. Natürlich erzielt man dann nicht den gewünschten, erträumten Preis. Und wir entscheiden uns für jetzt. Man muss sich eben seine Entscheidung schönreden.
Und wir verkaufen die „All Right2“:
Irgendwann im März entscheiden wir und unterschreiben den Kaufvertrag. Die Leute sind jung wie unsere Kinder. Haben das Alter in dem wir begonne haben Segler zu werden. Wir haben damals 1998 mit Charter begonnen, die Zeiten haben sich geändert.
Die Vertragsverhandlungen sind einfach, der Makler hat das im Griff. Da ich am Schiff hänge habe ich dem Käufer angeboten, das Schiff gemeinsam zu wassern und aufzuriggen und eventuell mit zu überführen. Da habe ich mir eine schwere Bürde aufgelastet.
Gutes Timing erfordert Planung:
Und jetzt beginnt der Stress. Nachdem der Kaufvertrag unterschrieben ist mache ich am 3. und 4. April zwei Antifoulinganstriche mit VC Offshore. Für den 10. April 2026 meldet sich der neue Eigner mit seiner Frau zur Übernahme an.
Am 5. April bereite ich den Mast vor, reinigen, poliern, Salinge und Wanten anbringen.
Ich schicke dem neuen Eigner einen Ablaufplan für das Kranen und Aufriggen. Innerhalb von zwei Tagen möchte ich das durchziehen, am 10. und 11. April. Der neue Eigner teilt mir mit, dass er am 10. April erst gegen Mittag eintrifft. Das ist zu spät.
Ich entscheide deshalb alleine zu beginnen und nutze das super Wetter am 9. April. Vormittag lassen wir das Schiff zu Wasser. Den Motor nehme ich in Betrieb. Schon am Mittag steht der Mast. Mit Mario und Siggi läuft das alles wie am Schnürchen. Am Nachmittag baue ich den Baum und Rodkicker an und befestige das Saildropsystem, den Lazy Jack. Am Abend kommt noch Jan der Segelmacher von Dimension Sails und drimmt mir das Rigg. Ich bin fix und fertig von der Anstrengung und Aufregung.








Das neue Eignerpaar kommt an:
Am 10 April. Nutze ich den Vormittag und lege die Segel, Fahrräder, Kuchenbude und was sonst noch übergeben wird auf dem Steg zurecht.
Gegen 10:00 Uhr kommen die neuen Eigner, Christian und Claudia und Hund.
Erst mal sind die beeindruckt von der Größe des Schiffes… sieht es doch im Wasser anders aus als an Land und in der Halle. Ich mache mir so meine Gedanken…
Gemeinsam beginnen wir das Anschlagen der Segel. Wir beginnen mit der Fock. Das ist einfach und überschaubar, auch für Anfänger wie die neuen Eigner.
Mittagspause machen wir bei uns daheim. Moni hat belegte Brote vorbereitet.
Der Nachmittag ist dem Anschlagen des Großsegels gewidmet. Ich erkläre und erkläre. Immer hoffe ich, dass bei den Beiden ein Teil der Informationen hängenbleibt. Schwer zu glauben für mich, stecken doch in jedem meiner vorgezeigten Handgriffe lange Seglererfahrung.
Den Abend laden wir die neuen Eigner zu uns nach Hause ein, zum Champagner und Abendessen.
Und ich übergebe alle Mappen und Dokumente und erkläre nochmals alles.
Der Christian resümiert: es war gut, das ich das Kranen und Maststellen schon erledigt hatte, sonst hätten wir das Programm niemals geschafft.

Eigentumsübergang:
Wir schreiben den 12. April 2026. Die letzte Zahlung ist erfolgt. Das Schiff ist im Wasser, aufgeriggt und die Segel sind angeschlagen. Das Schiff gehört uns nicht mehr!
Die neuen Eigner sind wohl geschafft vom vergangenem Tag und der Arbeit des Segelanschlagens. Erst gegen 11:00 Uhr sind sie ansprechbar.
Ich komme zum Hafen runter, gemeinsam mit Moni. Ich habe meinen Schlafsack und eine Tasche mit meinen Klamotten mit. Es ist kühl und eigentlich zu kalt um loszusegeln.
Wir wollen 14:00 Uhr ablegen. Brückenzug ist 15:20 Uhr.
Ich erkläre dem neuen Eignerpaar nochmals alles und wir machen das Schiff ablegefertig.
Die erster Fahrt mit neuem Eigner und Skipper:
Die Schwierigkeit ist der Wind aus Ost, der das Schiff auf das Kai am Kran drückt. Eine Chalange für den ungeübten Christian, heist ich lege das Schiff ab.
Danach übergebe ich dem Eigner das Ruder. Ich bin jetzt Gast an Bord und gespannt.
Dem Skipper und seiner Frau schlage ich vor, dass wir erst mal nur mit der Fock segeln. Die rollen wir im Sund aus und segeln vortan. Die Eigner sind beeindruckt, nur mit der Fock laufen wir 5 ktn ü.G.
Wir sind zu schnell und schon eine halbe Stunde vor Brückenzug an der Ziegelgrabenbrücke. Also warten wir. Oben auf der Brücke steht Moni mit dem Fotoaparrat, um meine letzte Fahrt auf der „All Right 2“ zu fotografieren.
15:20 Uhr geht es durch die Brücke Richtung Barhöft. Vor dem Hafen in Stralsund setzen wir wieder die Fock. Die 8 Meilen bis Barhöft segeln wir schnell. 17:00 Uhr schon haben wir längsseits angelegt. Wir haben uns mit dem Wind auf den Schwimmsteg auftreiben lassen. Ein einfaches Manöver, fast alleine vom neuen Eigner gefahren. Aber die Fenderarbeit muß noch geübt werden.
Der Hafenmeister begrüßt mich und sagt, ich komme wohl immer im Frührjahr zur Abfahrt her und im Herbst bei der Rückfahrt nach Gustow. Ich erkläre ihm, dass es meine letzte Fahrt ist. Das Schiff ist verkauft.
Zum Abendessen laden mich Christian und Claudia zum Italiener in das „Portefino“ in Barhöft ein. Wir haben angenehme Unterhaltung.
Zurück auf dem Schiff lege ich mich gleich hin. Aber dann werde ich nochmal gerufen. Ich, raus aus der Achterkabine. Die neue Eignerin hat die Dusche im Schiff genutzt und das Wasser läuft nicht ab…. Ich schalte die Bad-Bilgepumpe ein und pumpe gegen das geschlossene Seeventil. Shit, die Pumpe arbeitet und das Wasser sucht sich seinen Weg, schafft es aber nicht aus dem Schiff raus. Ich wische das Wasser auf und stelle den Fehler fest. Seeventil auf und schon pumpt es nach außen… Na ich hatte einen ganz schön dicken Hals.


Weitersegeln bis Warnemünde, meine letzte Fahrt auf der „All Right 2“:
Gestern Abend haben wir uns für 8:00 Uhr zum Ablegen vereinbart. Ich gehe zuvor mit dem Skipper noch zum Frühstück in die „Proviantkiste“.
Ziemlich pünktlich legen wir ab. Inzwischen ist auch die Skippersfrau in der Plicht.
Fast ohne Hilfe schaft es der Christian, na ich helfe doch noch ein bischen.
Wir fahren unter Maschine bis Höhe Leuchtfeuer Gellen. Der Wind weht aus Ost. Christian zieht sich unter Deck warme Sachen an. Ich stehe jetzt für einige Minuten alleine am Steuer und setze einen Kurs nach West, Richtung Darser Ort ab. Dann übernimmt Christian das Ruder wieder und stellt das Schiff gegen den Wind. Wir ziehen das Großsegel hoch und dann gehen wir wieder auf Kurs und rollen das Vorsegel aus. Wir fahren einen Halbwind bis raumen Kurs.
Das Schiff läuft mit 6 ktn. Die neuen Besitzer staunen über das Segelerlebnis.
Bis Darser Ort läuft das Schiff getrieben durch Wind. Höhe Darser Ort schläft der Wind ein. Christian startet die Maschine und wir rollen die Fock ein.
Dann üben wir das Reffen und Ausreffen. Zweimal hintereinander. Die neuen Besitzer sollen es lernen.
Das Wetter ist heute nicht so schön wie gestern. Bewolkt und diesig.
Zwei Stunden vor Warnermünde rufe ich Moni an. Sie soll mit dem Auto nach Warnemünde fahren, mich abholen.
15:00 Uhr fahren wir in Warnemünde ein. Ich leite den Skipper an, wie er in die Marina fahren soll. Ich versuche ihn rückwärts in die Finger des Schwimmsteges einfahren zu leiten. Es klappt fast. Aber wir müssen noch einen Anlauf machen. Diesmal übernehme ich. Mein letztes Anlegemanöver mit der geliebten „All Right 2“.
Moni nimmt die Leinen ab und hilft beim Festmachen.
Wir trinken gemeinsam den oder die Anleger. Ruck zuck sind zwei Flaschen Wein alle.
Dann verabschieden wir uns vom neuen Eignerpaar und unserer „All Right 2“. Das war meine letzte Fahrt. Wir fahren mit dem Auto zurück auf die Insel Rügen.
Die neuen Eigner warten jetzt auf den Vater von Christian und die werden dann zu dritt Richtung Heiligenhafen segeln. Ich hatte dem Christian dringend geraten noch jemanden erfahrenen mit an Bord zu nehmen.














