Woche 1
10. Juni 2026, Gustow- Swinemünde, 130 km
Kneipen-Henry war gestern zu Besuch – wöchentlicher Saunagang. Am Vormittag spüre ich noch die Nachwehen. Es gab Bier in Maßen aber danach noch Schnaps und das war nicht gut. Aber gegen Mittag bin ich wieder fit. Moni war vormittags noch einkaufen. Jetzt räumen wir den Proviant in das Wohnmobil, unsere „All Right3“.
Eigentlich könnten wir um die Mittagszeit losfahren, aber wir erwarten noch eine DHL Lieferung: den Fahrradhelm für mich.
Gegen 15:00 Uhr ist der Helm endlich da und wir fahren los. Als erstes geht es in Gegenrichtung nach Samtens. Hier ist eine Fahrzeugwaage. Wir wiegen unser Landschiff. Der Hymer hat mit uns beladen 4,68 Tonnen. Wir sind im Limit!
UnsereFahrt geht nach Swinemünde, über Wolgast auf die Insel Usedom. Als wir über die Grenze in Polen sind, es ist 17:40 Uhr, steht da ein Schild: frei bis 3,5 t. Wir müssen mit unseren 4,68 t einen kleinen Umweg wie für LKW ausgewiesen fahren. 18:15 Uhr haben wir unser Tagesziel erreicht, den Yachthafen „Basen Polocny“.
Gefühlte 100 Mal lagen wir hier im Hafenbecken mit der unserer SY „All Right 2“. Jetzt stehen wir an Land, zwischen Hafenbecken und Kaiserfahrt mit unserer „All Right 3“. Bezahlen der Hafengebühr… äh, der Standgebühr ist schnell gemacht, wir wissen wo der Hafenmeister seinen Sitz hat.
Ein Mann aus dem Hafenbüro begleitet mich zu unserem Stellplatz, die Stromsäule zuschalten. Er spricht muttersprachlich Russisch. Er ist aus der Ukraine, lebt aber wie er erzählt schon lange in Polen. So, nun hatte ich auch das inzwischen selten gewordene Glück mich auf Russisch zu unterhalten.
Das Wetter ist nicht sonderlich, es ist schon kalt. Moni bereitet das Abendessen. Es gibt den Rest Nudeln vom Mittag.
Und dann schauen wir Schiffe aus dem warmen Wohnmobil heraus. Eine Fähre kommt und geht nach der anderen.



11. Juni 2026, Swinemünde- Dabrovka Nova (Nahe Bydgoszcz), 420 km
Gut geschlafen und gut gelaunt stehen wir auf.
Nachts haben wir immer mal die großen Schiffe gehört, die direkt an unserem Stellplatz durch die Kaiserfahrt gefahren sind. Ich frage mich immer wieder wie die Statik der Kaianlagen funktioniert. Immerhin kommen tausende Bruttoregistertonnen auf dem Weg vom Stettiner Haff zur Ostsee hier direkt vorbei. Na, sei es wie es sei.
Nach dem Frühstück schieße ich das Landstromkabel auf. Ich komme ins Gespräch mit einem Wohnmobilnachbarn aus Niedersachsen. Die sind auch kurz vor dem Aufbruch mit ihrem Hymer. Ein kleiner Bruder von unserem. Der auf Fiat Basis, wir auf der Sprinter Basis von Mercedes. Uns eint das Hymer – Baujahr 2007.
Ich erkundige mich wegen der Maut in Polen, wir sind über 3,5 t und müssen Maut löhnen. Die App „eToll“ habe ich geladen aber ich bekomme unser Wohnmobil nicht gekoppelt. Andere Wohnmobilisten raten mir zur nächsten BP Tankstelle zu fahren. Genauso wie mir mein Freund Detlef schon vorhergesagt hat.
Der Tunnel unter der Swine ist Mautfrei. Wir fahren also los zur BP Tankstelle. Hier bekommen wir keine Hilfe. 140 km weiter in Kolbaskowo an der Autobahn A11 von Deutschland nach Stetin ist die nächstgelegene eToll -Stelle. Also fahren wir dorthin und wir machen einen Umweg über Deutschland zurück. Direkt dahin hätten wir über eine Mautstraße fahren müssen. Gegen 13:15 Uhr sind wir in Kolbaskowo, kurz hinter dem Grenzübergang Pomellen. Und uns wird ganz schnell geholfen. Wire laden 250 Zlotty auf und jetzt sind wir bereit für Polen!
Es geht los, es ist 14:00 Uhr, gen Ost. Erst fahren wir auf der A 6 und nach Stetin dann weiter auf der S10 vorbei an Pila bis kurz vor Bydgoszcz (Bromberg).
Hier kurz vor dem Autobahnring um Bydgoszcz biegen wir auf eine Nebenstraße und steuern einen kleinen netten Campingplatz in Dobrovka Nova an. Der Platz nennt sich Agro Park Dobrovka Nova. Ein sehr schöner Platz an einem kleinen See mit Bar, Jakuzzi und Sauna. Alles ist ziemlich neu. Beim Anmelden merke ich, die Eigner sind Deutsche, oder besser die Frau scheint Polin zu sein und spricht akzentfreies Deutsch und er ist der Deutsche Ehemann.
Wir sind K.O. von der langen Fahrt. Es gibt noch das Abendessen, Wein und ein bisschen Fernsehen.


12. Juni 2026, Dabrovka Nova (Nahe Bydgoszcs) – Mikolaijki, 310 km
Die Sonne lacht. Es verspricht ein Tag voller Sonnenschein zu werden.
Nach dem Frühstück nutzen wir die vorzüglichen Sanitäreinrichtungen. Auf dem Campingplatz is nicht viel Betrieb. Mit uns nur 4 Wohnmobile. Es scheint als ob alle aufbrechen.
Kurz nach 10:00 Uhr fahren wir vom Platz. Das erste Stück fahre ich. Später sitzt Moni am Steuer.
Wir fahren erst die S5, bei Grudsiasz (Graudenz) geht es über die Wisla (Weichsel) auf die S 16 und die immer weiter bis zum Ziel. Manchmal ist es schon eine Autobahn, manchmal ist es eine enge Landstraße mit viel Gegenverkehr. Es geht vorbei an Osztyn (Allenstein) und jetzt ein bisschen weiter nördlich Richtung Kaliningrad (Königsberg).
Und wir sind kurz vor dem Ziel. Ich sitze wieder am Steuer und da erwischt es mich. Ich bin zu schnell und da steht der Polizist mit erhobener Kelle. Es ist 16:09 Uhr in Baranowo an einem Friedhof. Der Polizist zeigt mir sein Lasermeßgerät. Es zeigt 19 km/h… Shit. Er verlangt ID, Führerschein und Autopapiere und sagt, das kostet 200 Zloty. Er fragt Bar oder Karte und ich bezahle Cash. Alles läuft problemlos und ich rege mich gar nicht richtig auf. Dann ruft mich der Polizist zu seinem Auto und sagt, er brauche für die Quittung noch den Vatersnamen der nicht auf meiner ID zu finden sei. Ich erkläre ihm erst auf Deutsch, dann auf Englisch und zuletzt auf Russisch: ich habe keinen Vatersnamen obwohl ich einen Vater habe. Er erklärt mir für die Quittung und nach Polnischen Recht muß man einen Vatersnamen haben. Ich sage ihm dann, mein Vater heißt Dieter und er schreibt Diter auf die Quittung.
Dann fahren wir weiter bis Mikolajki. Und jetzt nachdem die Polizei mich gestoppt hat, nur noch Regen und das soll so bleiben.
Wir stellen unser Wohnmobil ab und essen Abendbrot. Danach hört der Regen kurz auf und wir wandern zum See.
Und dann regnet es wieder, da kann man nur schlafen.



13. Juni 2026 Mikolaijki, „Hafentag“
Wir wachen 8:30 Uhr auf. Es regnet. Der Blick auf die Wetter App gibt keine Hoffnung. Es wird immer wieder regnen. Eigentlich wollen wir mit unseren Fahrrädern los. Aber es ist hoffnungslos. Wire sitzen erst mal gemütlich beim Kaffee und warten.
Dann gegen Mittag laufen wir los, ohne Fahrräder per Pedes. Wir laufen in den Ort. Ein bisschen scheint die Sonne, aber wir haben den Schirm mit.
Der Ort Mikolajki liegt direkt am See. Wir laufen die Uferpromenade entlang, beobachten eine Segelregatta. Und wir finden ein kleines Lokal für ein Bir und einen Hugo.
Dann wandern wir in die „zweite Etage“, eine Straße ein Stück weiter oben, parallel zur Uferpromenade. Das das mal Deutsch war sieht man nur wenn man es weis. Die Slawisch- Polnische Architektur hat sich in den vergangenen 70 Jahren nach dem Krieg verwurzelt. An Tschechien und die Slowakei erinnert uns das.
Und es fängt wieder an zu regnen. Wir flüchten in ein Fischrestaurant und essen vorzüglich, Fischsuppe vom Zander und Zanderfilet, dazu Neuseeländischen Wein.
Gegen 15:00 Uhr gibt es eine Regenpause. Wir flüchten zurück zum Wohnmobil.
Und wir legen uns auf die Matte…, später Mittagsschlaf, der Wein macht müde.
Es regnet und regnet und das die ganze Nacht. Und der Regen bringt auch Gewitter mit viel Donne



14.Juni 2026, Mikolajki – Gyzicko, 34 km
Auch heute am Morgen Regen. Wir frühstücken und packen unsere sieben Sachen, leeren die Toilettenkasette und füllen Trinkwasser auf. Wir entscheiden uns abzureisen. Mit Fahrradfahren ist es wegen dem Shitwetter nichts geworden. Was sollen wir noch hier, schade aber…
Wir haben uns einen Platz ein Stückchen nördlicher ausgesucht. Nicht weit, nur 34 km. Der Campingplatz ist nage der Ortschaft Lotzen, oder auf polnisch Gyzicko.
Die Straße dahin ist eng, eine Alleenstraße die immer wieder von Wald und Siedlungen unterbrochen ist. Und überall sehen wir Stochennester, besetzt mit einem oder Zwei ausgewachsenen und deren Nachwuchs. Im Internet lese ich später, dass es hier zwischen Mai und September wohl gefühlt mehr Störche als Menschen gäbe.
Wir kommen gegen 12:00 Uhr auf unserem Campingplatz in Pikna Gora, nahe Lotzen an. Wir sind die einzigen Gäste hier mit unserem Wohnmobil. Der Platz ist eben und wir drehen unser Landschiff nochmal um, um über die Frontscheibe Sicht auf den See zu haben. Neben dem Campingplatz sind rechts und links von uns kleine Marinas mit Segel- und Motorbooten. Die Segelboote haben alle Mastlegevorrichtungen, um durch die Brücken und Kanäle zu kommen, die die Seen der Masurischen Seeenplatte verbindet.
Und wieder regnet es. Nahe unserem Wohnmobil ist eine kleine Gaststätte mit überdachter Freiluftsitzfläche. Hier kommen wir mit Polen ins Gespräch, die seit 1988 in Deutschland, in Regensburg leben. Wir trinken Bier und haben eine angeregte Unterhaltung.
Später hört der Regen mal kurz auf. Ich mache mit Moni einen kurzen Spaziergang zu der einen Marina. Hier treffen wir die Polen wieder, Richard und Luzi. Sie haben ein Motorboot für zwei Wochen gechartert. Wir schauen uns das Boot an, für zwei Leute ausreichend mit 30 PS Außenborder: 1200 Euro für zwei Wochen, preiswerter als ein eigenes zu unterhalten. Wir trinken Schnaps auf dem Boot, anders geht das wohl nicht mit Polen. Wir laden die Leute für den Abend in unser Wohnmobil ein.
18:00 Uhr sind wir zurück und essen schnell Szegediner Gulasch Eigentlich wollten wir Grillen, aber das ist wegen Regen abgesagt.
19:00 Uhr dann Anpfiff WM Deutschland Curasao. Zur Halbzeit kommen die Polen zu uns an Bord. Wir haben eine angeregte nette Unterhaltung. Das Spiel endet 7:1 für Deutschland. Der Wein und der Schnaps sind alle, wir verabschieden uns.








