Polen dieses Jahr war unsere erste große Fahrt. Darüber habe ich berichtet. Im Juli waren wir in Gustow bei uns zu Hause. Hauptziel des „Heimataufenthaltes“ war ein Werkstattaufenthalt für unser Wohnmobil. Wir habe die Elektrik des Aufbaues umbauen lassen. Jetzt haben wir einen Ladebooster, einen ordentlichen Laderegler von Vitron und eine Umschalteinrichtung für den Inverter. Alle Steckdosen können ohne Landstrom mit 220V betrieben werden. Wir sind also autark und werden das auf der Fahrt nach Tschechien und in die Slowakei ausprobieren. So ist der Plan.
Bevor wir losfahren bekommen wir noch Besuch in Gustow, Ein Cousin von Moni mit Frau. Die werden unser Haus in Gustow für zwei Wochen betreuen. Danach übernehmen der Nachbar Henry und Kimberly die Blumen- und Rasenpflege.

Der Grill versteckt im Shapp unten

Grill eingefahren

Grill ausgefahren

Ladebooster und neuer Laderegler Vitron und der Inverter sind neu installert, jetzt sollten wir autark sein
27.7.2026, Montag, Gustow – Seeburg im Mansfelder Land, 540km
Nach der Verabschiedung und der Wohnmobilbeladung geht es heute gegen 11:00 Uhr endlich los. Als erstes fahren wir nach Samtens zum Wiegen unseres Wohnmobils. Wir wiegen 4,66 Tonnen. Weiter geht es zum Tanken nach Milzow. Es ist kurz vor 12:00 Uhr. Wir haben Glück und bekommen den Liter Diesel noch für 2,10 €. Ein „Schnäppchen“, wenn man bedenkt, das der Dieselpreis nach 12:00 Uhr dann 2,35 € ist.
Wir haben Ersatzgasflaschen mit und fahren zu deren Auffüllung über Greifswald. Hier ist eine der wenigen verbliebenen Auffüllstationen wo man nur die wirklich aufgefüllte Gasmenge bezahlt. Der Vorgang dauert nur Minuten und ist doch billiger als der Gasflaschentausch im Baumarkt.
Und endlich fahren wir richtig los, auf der Autobahn A20, später von südlich Rostock Richtung Berliner Ring, die A19 und dann weiter auf der A 24. Am Anfang sitze ich am Steuer, werde aber wie üblich schnell müde. Moni fährt dann lange Zeit und ich schlafe. Wir fahren immer so gegen 100 km/h und der Verbrauch liegt knapp unter 13 Litern.
Wir fahren durch Halle und sind so gegen 18:30 Uhr am Süßen See im Mansfelder Land. Es geht auf der Uferstraße vorbei an der „Seeperle“. Das ist ein alter Schaufelraddampfer, umgebaut zur Gaststätte. Das erinnert mich gleich an meinen ersten Aufenthalt am See im Jahre 1973. Wir halten vor dem Schlagbaum zum Eingang des Campingplatzes. Der ist geschlossen und das Personal ist schon zu Hause. Ich rufe eine Telefonnummer an, welche an der Rezeption angeschrieben ist. Wir bekommen einen Zugangscode für einen Schlüsselkastensafe. Hier finden wir unsere Magnetkarte für die Schranke und die Nummer unseres Stellplatzes am See.
Schnell ist unser Wohnmobil aufgestellt und geparkt. Wir wandern zurück zur „Seeperle“, wir haben Hunger. Und wir kommen gerade noch rechtzeitig vor Küchenschluß an.
Wir sitzen auf der Terrasse vor dem Schaufelraddampfer, trinken Bier und Weisweinschorle und ich erinnere mich. 1973 war ich das erste Mal am Süßen See. Ich hatte gerade die 10 Klasse hinter mir und war mit meinem Bruder und meinen Eltern hier im Wochenendhaus einer Freundin Meiner Mutter, Lehrerfreundinnen. Das Haus gehörte meiner Geschichtslehrerin, der Frau Vollmer (Inge). Auf dem See sind wir Faltboot gefahren, unter Segeln mit Seitenschwerten. Vielleicht fing mein Segelinteresse hier an. In der zweiten Woche dieses Urlaubes bin ich mit meinem Schulfreund Arno, im richtigen Leben Dirk Brümmer, nach Berlin zu den Weltfestspielen gefahren. Wie wir da hin gekommen sind weis ich nicht mehr, aber wir waren dort und haben bei Arno‘s Verwandten in Bernau gewohnt, Endstation der S-Bahn.
Und beim Bier erinnere ich mich weiter. In der 11. oder 12. Klasse war ich hier am Süßen See. Es war ein GST-Lager (GST… Gesellschaft für Sport und Technik). Wir wohnten in der Jugendherberge im Schloss am Ufer des Sees und haben den Sportbootführerschen Binnen, Theorie und Praxis, hier erworben. Es war wohl ein weiterer Schritt in Richtung meiner späteren Segelaffinität.
Und wir bekommen unser Essen und trinken noch das eine und andere Getränk. Mit dem jungen Kellner haben wir noch ein gutes Gespräch und irgendwann nach Gaststättenschluß gehen wir zurück zum Wohnmobil… Nachtruhe!





Der alte Dampfer, heute Seeperle, weitab von Meißen/Dresden
28.07.2026, Dienstag, Seeburg – Horla, 54 km
Den Sommertag beginnen wir mit Schwimmen im Süßen See. Vom Ufer führt gleich, nahe an unserem Wohnmobil, ein Steg ins tiefe Wasser. Über die Badeleiter kommen wir leicht hinein und wieder heraus.
Wir frühstücken spät. Gegen Mittag erinnern wir uns, dass wir vor 12:00 Uhr tanken müssen, wir sind eben Sparfüchse und machen das an einer Tanke am Nordufer des Süßen Sees.
Dann fahren wir zurück zum Schloß in Seeburg. Das sieht äußerlich sehr schön aus, hat aber Sanierungsbedarf. Nur der Witwenturm am See direkt ist saniert und beherbergt ein Standesamt. Hinter dem Schloß die alten Gebäude eines Gehöftes. Am Tor steht VEG… Volkseigenes Gut. Das erinnert an alte Zeiten der DDR.
Wir gehen zur Eisdiele und nehmen Eiskaffee. Moni googelt. Das Schloß war 1933 bis zum Ende des Krieges Führerschule. Danach war es Jugendherberge und dahinter ein Volkseigenes Gut. Nach der Wende wurde es erst für 800.000 DM verkauft und verfiel weiter. Später wurde es zwangsversteigert, Mindestgebot: 120.000 €. Und es gammelt weiter vor sich hin, schade eigentlich.
Wir fahren Richtung Sangerhausen. Wir haben noch viel Zeit. Das Geburtstagskaffetrinken meines Vaters beginnt erst 15:00 Uhr!
Wir halten am Kloster Helfta bei Eisleben. Es heißt richtig St.Marien zu Helfta. Wir besuchen den Klostergarten. Es gibt ein Labyrinth im Garten. Wir verlaufen uns aber nicht. Moni eruiert im Internet: eigentlich sollten die Reste des Klosters 1988 gesprengt werden. Ein Lehrer und Historiker verhindert das. Dann kam die sogenannte „Wende“. Das Kloster wurde also nicht gespreng, dagegen vielmehr um- und ausgebaut. Es ist ein Frauenkloster und scheint ziemlich katholisch.
Der Geburtstagskaffetermin naht und wir fahren nach Sangerhausen, Röblingen. Mein Vater wohnt hier in einer Seniorenresidenz seit 3 Jahren. Heute wird er 96. Wir treffen uns mit meinem Bruder und seiner Frau und dann besuchen wir den Vater. Es gibt Sekt und Kaffee und Kuchen. Der Gesprächsstoff ist aber nach 1,5 Stunden erschöpft, unser Vater auch. Immerhin ist er 96. Wer weis wie es mir geht wenn ich dann 96 bin.
Wir fahren zu meinem Bruder nach Horla. Unterwegs gibt es ein kleines Desaster. Der marode Straßenzustand führt uns durch und über Schlaglöcher. Das untere Türscharnier unseres Bordkühlschranks bricht aus, die Kühlschranktür öffnet sich bei der Fahrt – Oh Gott! Wir hängen die Tür provisorisch ein.
Weiter geht die Fahrt durch den Südharz nach Horla. Mein Bruder hat ein großes Grundstück und wir finden einen Platz für unser Wohnmobil. Dann räumt Moni den Kühlschrank aus und ich sortiere die Werkzeuge und den Montagekleber. Wir machen uns an die Türreparatur. Mein Bruder hat kleine Spannzwingen und wir könne die Schadstelle kleben.
Moni hatte in Gustow Sauerbraten gemacht und eingefroren. Den gibt es jetzt auf der Terasse mit Rotkraut, Klößen und Wein
Bis spätabends sitzen wir auf der Terrasse und schwatzen.

Baden am Morgen



Der Witwenturm, schön restauriert

Volkseigenes Gut gibt es nicht mehr

Nach Sangerhausen und Horla


Im Labyrinth

Gesehen im kleinen Dorf Horla im Harz, die sind erfolgreich!
29.07.2026, Mittwoch, Horla – Dipoldiswalde, Paulsdorf am Stausee Malter, 250 km
Wir stehen schon kurz nach 7:00 Uhr auf und frühstücken mit Bruder Uwe und Anja 8:00 Uhr. Anja hat einen Termin der uns so zeitig vorantreibt. Und das ist auch gut für uns, ich will weiter!
9:00 Uhr ist Abfahrt. Es geht Richtung Autobahn durch die Felder und engen Straßen des Südharzes. Auf der Autobahn geht es ostwärts Richtung Leipzig und dann auf altgewohnten Wegen Richtung Dresden. Früher sind wir hier oft langgefahren.
Moni fährt den größten Teil der Strecke. Irgendwann geht es an der Abfahrt Gorbitz vorbei. In Dresden-Gorbitz haben wir von 1988 bis 1996 gewohnt.
Ich übernehme erst als wir von der Autobahn Dresden- Prag Richtung Dipoldiswalde abfahren. Als wir durch Possendorf fahren erinnere ich mich. Mein Onkel Klaus hatte hier ein Wochenendhaus. Da waren wir früher einige Male.
13:00 Uhr sind wir am Zeltplatz Paulsdorf an der Talsperre. Inge und Dieter erwarten uns am Eingang zum Campingplatz. Der Check Inn ist nicht ganz einfach. Ich hatte zwar elektronisch gebucht und vorab bezahlt aber wir sind geplant am Campingplatz Malter… der gehört aber mit Paulsdorf zur selben Gesellschaft. Aber das Umorganisieren ist schwierig. Die Dame an der Rezeption ist nicht die hellste Kerze auf der Torte. Aber ich lasse Moni das Problem lösen, um den Streit nicht zu eskalieren.
Wir stellen sodann unser WoMo am zugewiesenen Platz auf und treffen uns zu Kaffee und Kuchen bei Inge und Dieter am Wohnwagen. Der Kuchen ist lecker, Hunger hatten wir ja auch.
Den Nachmittag verbringen wir im und am Wasser der Talsperre Malter. Die Erfrischung bei den Außentemperaturen von 30°C ist wohltuend.
Über die Straße vor dem Campingplatz ist ein nettes Restaurant. Inge und Dieter laden uns zum Abendessen ein. Später sitzen wir vor deren Campingwagen und trinken Wein und schwatzen bis spät in den Abend hinein.


30.07.2026, Donnerstag, Paulsdorf an der Talsperre Malter, wir stehen, keine Kilometer
Nach dem Ausschlafen frühstücken wir bei unseren Freunden. Es ist schon am Morgen unerträglich heiß, 28°C. Im laufe des Tages geht das Thermometer weiter hoch, Richtung 40°C.
Eigentlich wollten wir etwas unternehmen, aber die Wärme… Wir gehen baden im See. Die Erfrischung tut gut und wir wiederholen einige Male. Und wie früher gibt es beim Baden zu Mittag eine Bockwurst, einzig die kostet jetzt „ein wenig“ mehr als 85 Pfennige (Ost).
Am Wasser liegend lerne ich im Internet. Die Talsperre Malter wurde zwischen 1903 und 1913 gebaut und staut die Rote Weißeritz. Sie dient als Rückhaltebecken und zur Wasserregulierung bei Hochwasser, aber sie ist auch ein kleines Kraftwerk mit 700 kW Leistung.
Außer Baden war heute nicht viel bis zum Abend. Bei Inge und Dieter ist BBQ Time. Wir probieren den neuen Holzkohlegrill aus. Das ist mal was Anderes, grillen wir daheim und die letzten Jahre auf dem Segelboot immer auf Gasgrills.
Und es gibt viel zu erzählen und zu erinnern, an die gemeinsame Zeit in Dresden bei OBSAD.
31.07.2026, Freitag, Paulsdorf – Karlsbad (CZ) , 150km
Heute ist schon 8:00 Uhr wecken, das heißt wir sind von ganz alleine aufgewacht. Wir frühstücken vor unserem Wohnmobil und packen unsere Siebensachen. Wasser füllen wir auf und dann gehen wir zu Inge und Dieter. Dieter hat heute Geburtstag, 79.! Ein bisschen sitzen wir noch zusammen, ein Abschiedsfoto und dann fahren wir los.
Erst mal geht unsere Fahrt über Altenberg nach Zinnwald. In Altenberg sehen wir den Skihang und Lift an dem wir im Winter in unserer Dresdener Zeit oft im Winter waren. Wir überschreiten die Grenze nach Tschechien in Zinnwald. Kurz hinter der Grenze bemühen wir uns am einer MOL Tankstelle um eine MYTO Box, Mautbox! Wir sind schwerer als 3,5 Tonnen und benötigen an Bord eine solche Box mit vorausgezahltem Mautguthaben, welche an der Frontscheibe innen befestigt wird und von der beim Befahren von Mautstraßen abgebucht wird. Aber in dieser MOL Tankstelle Fehlanzeige. Die nächste MYTO Vertriebsstelle ist in Chomutov, Komotau. Die steuern wir an.
Wir fahren parallel im Süden am Erzgebirge Richtung Westen. Auch hier kommen wir an Skigebieten vorbei an die wir uns erinnern. Einige Male waren wir hier mit unseren Kindern Ski fahren. Aber die Region ist vom Kohlebergbau gezeichnet. Wir fahren vorbei an aufgegebenen Tagebauen und angeschlossener Industrie.
Irgendwann kreuzen 400 kV Hochspannungsleitungen unseren Weg und linker Hand ein riesiges Kohlekraftwerk, welches in Betrieb ist. Sicher sind die Tschechen nicht so blöd wie die Deutschen und „wenden die Energie“. Auf der ganzen Strecke hier südlich des Erzgebirges sehen wir keine Windkraftanlagen!
In Komotau finden wir die besagte MOL Tankstelle mit der MYTO Vertriebsstelle. Gegen ein Deposit erhalten wir die MYTO Box. Die Frau in der Tankstelle ist freundlich und die Registrierung läuft so was von unproblematisch.
An der Tankstelle tanken wir für 1,70€/ Liter und prüfen den Luftdruck. Wir müssen unsere reifen mit 4 bar fahren. Die Straßen sind heiß, der Asphalt weich und der Reifendruck ist fast durchgängig bei allen 4,5 bar durch die heißen Straßen. Im Cokpit zeigt die Armatur 39°C Außentemperatur.
Wir fahren weiter Richtung Karlsbad. Es geht vorbei an einer großen Raffinerie. Sicher hat auch hier mal eine Pipeline von Russland geendet. Den Massen an Eisenbahntankwagen nach, die hier rumstehen scheinen die das Erdöl jetzt per Eisenbahn zu bekommen.
Gegen 14:30 Uhr erreichen wir unseren Wohnmobilstellplatz in Karlsbad. Der ist erst ganz neu, alles super. Die Registrierung erfolgt über Automaten. Das Tor öffnet sich mit QR Code und wir stellen uns auf einen Platz unserer Wahl. Es ist heiß. Um die 40°C. Wir schalten die Klimaanlage an und legen uns hin zur Siesta. Bei mir dauert die fast 2 Stunden. Das Wetter macht einen fertig.
Gegen 18:00 Uhr satteln wir unsere Pferde… Fahrräder und fahren in das 2,5 km entfernte Zentrum von Karlsbad. Der Fahrradweg ist erstklassig. Wir fahren und schieben uns durch die Stadt. Lange halten wir nicht durch. Wir nehmen ein Bier und eine Limonade, das Bier, der halbe Liter für 3 € und frisch gezapft und wohltemperiert.
Wir bewegen uns mit unseren Fahrrädern am Fluß Tepla erst hinauf und dann wieder hinunter. Unterwegs kehren wir in einer Restaurace ein und essen Knödel und Gulasch und dazu gibt es Bier und Weisen Wein aus Tschechien. Gegen 20:30 Uhr sind wir platt und radeln zurück. Unser Wohnmobilstellplatz am Fluß Eger erreichen wir eine halbe Stunde später.
Neben uns steht ein Camper aus der Schweiz. Wir unterhalten uns ein wenig über Woher und Wohin. Vor unserem Wohnmobil sitzend trinke ich noch eine Flasche Bier bis es draußen Dunkelschwarz ist. Gute Nacht! Karlsbad sehen wir uns morgen an, da soll es kühler sein.




01.08.2026, Sonnabend, Karlsbad, Stadtrundfahrt mit Fahrrad und zu Fuß, keine km
Es ist bedeckt und kühler als wir aus dem WoMo schauen.
Ich fahre die Markise aus und bereite den Gasgrill vor. Es ist eine Art Generalprobe. Wir wollen Speck und Eier braten. Also das Ausfahren vom Grill geht super. Noch müssen wir eine Gasflasche anschließen weil der Gasgrill noch nicht in das Bordnetz integriert ist. Das ist eine Aufgabe für den kommenden Herbst. Aber jetzt erst mal die Eier und den Speck braten. Wunderbar, alles klappt wie erträumt.
Nach dem Frühstück kommt ein wenig Regen, wir sitzen unter der Markise und warten beim Kaffee ab.
Gegen 11:00 Uhr besteigen wir dann unsere Fahrräder und fahren nach Karlsbad in die Altstadt, entlang am Fluß Eger und dann folgen wir dem Flußlauf der Tepla. Tepla ist Slawisch und bedeutet warm. Das hat offenbar etwas mit den heißen Quellen des Kurortes Karlsbad zu tun.
Das Fahrradfahren klappt gut mit den neuen Rädern, dennoch, Moni stürzt erst mal beim Anhalten wegen bekloppter Fußgänger…richtig ist wegen zwei bekloppten blonden Fußgängerinnen.
Aber wir sind schon im Zentrum und schieben nun die Räder. Am Fluß Tepla, unweit eines alten Sanatoriums ketten wir unsere Fahrräder an und weiter geht es zu Fuß.
Wir kaufen uns einen Trinkbecher mit Schnabelhals und probieren an der ersten Quelle das heiße Wasser. Alle Quellen haben einen Namen und unterschiedliche Wassertemperatur. Also die erste die wir verköstigen ist Pramen Svoboda. Na ja, Bier und Wein schmecken besser. Gleich daneben ist ein kleines Gartenrestaurant und wir bestellen Bier und Aperol Spritz. Moni bekommt eine Tüte Eiswürfel zur Kühlung ihres ramponierten Knies. Ich bestelle mir noch einen Becherovka und studiere, was ich über die Familie Becher lernen kann: Becher scheint hier ein verbreiteter Name zu sein. Da gab es einen David Becher im 16.Jahrhundert. Er war Mediziner und hatte in Prag an der Karls Universität zum Dr.med. promoviert. Er war so ein Heildoktor, der hier im Königreich Böhmen bekannt war.
Aber den habe ich nicht gesucht. Mich interessiert mehr der Jan Becher, der mit dem Becherovka.
Seit 1807 wird in Karlsbad der Karlovarska Becherovka hergestellt, auf der Basis von 30 verschiedenen Kräutern. Ursprünglich war wohl ein Deutscher Graf mit einem Englischen Gast bei dem Herrn Jan Becher, einem in Karlsbad ansässigen Apotheker. Der Engländer hat dann wohl am Ende des Besuches einen Zettel mit einer Rezeptur hinterlassen, auf deren Basis der Jan Becher dann seine Rezeptur entwickelte. Am Anfang hieß das Getränk auch Carlsbad-Englisch-Bitter. Auf jeden Fall ist die Geschichte interessant, zieht sie sich doch über die Wirren des ersten und des zweiten Weltkrieges, die Verstaatlichung zu Zeiten der CSSR und später bis zur Firma Unterberg und Pernod Ricard bis zu einer polnischen Firma Namens Grupa Maspex.
Wir wandern durch die Mühlenpromenaden und probieren Quelle für Quelle das sprudelnde Wasser. Richtig begeistert sind wir nicht. Mal sehen ob es hilft.
Wir lassen uns mit dem Schloßberglift hoch auf die Aussichtsplattform hochfahren und sehen ein bisschen das alte Karlsbad von oben. Von hier oben können wir wider Erwarten herunterlaufen, Richtung Theater. Auf der Promenade kommen wir an einem Haus vorbei in dem Peter der Große, Zar von Russland, zwischen 1711 und 1712 gewohnt hat. Unsere Wanderung entlang dem Flusse Tepla endet an der Husitenkirche der „Tschechoslovakei“. Offenbar gibt es bei den Husiten die Tschechoslovakei doch noch. Eigentlich, wenn wir noch weiter gelaufen wären, hätten wir die Russische Basilika von Peter und Paul noch gesehen. Aber hätte, hätte, Fahrradkette. Außerdem habe ich in meinem Leben genug russische Kirchen gesehen.
Moni treibt mich hoch zum Hotel Imperial. Uns erwartet verblichener Glanz und auch die Aussicht nach unten, auf Karlsbad war eher limitiert. Aber wir brauchen wenigstens nicht runterlaufen zur Tepla, nein es gibt eine Standseilbahn. Als Senioren bezahlen wir auch nur 0,04€ !
Unten an der Tepla schauen wir noch in die Marienkirche und in das Gebäude um die Sodaquelle herum, ein häßlicher Neubau.
Auf dem Rückweg Richtung Camper gibt es noch Knedlik und Schweinebraten.


Die Pferde angekettet











02.08.2026, Sonntag, Karlsbad – Pilsen – Antygel (Böhmerwald), 185 km
Nach dem üblichen Morgenprocedere packen wir unsere Sachen und fahren das Wohnmobil erst mal zur Ent- und Versorgung. Alles ist ein wenig anders als auf unserer Segelyacht. Damals floß Grauwasser und der Inhalt des Fäkalientanks in die See. Heute sammeln wir das Grauwasser und lassen es kontrolliert ab. Das WC im Wohnmobil ist eine Chemietoilette und der nicht ganz angenehme Inhalt wird an speziellen Entsorgungsgullis verklappt. Und dann, die Versorgung mit Wasser. Auf unserem Schiff hatten wir in zwei Tanks 250 Liter. Jetzt im Wohnmobil haben wir wegen der Gewichtseinsparung nur 100 Liter. Also müssen wir jeden greifbaren Wasserhahn zum Auffüllen unseres Wasservorrates nutzen. Genug der Erläuterungen, wir fahren los.
Wir steuern unser erstes Ziel an, Pilsen. Die Straße ist hervorragend. Generell schon nach den ersten Kilometern in Tschechien hatten und haben wir den Eindruck, dass in das Straßennetz investiert wurde und wird: neue Fernstraßen und Autobahnen. Es scheint, dass im Gegensatz zu der labernden deutschen Politik, in Tschechien gehandelt wird.
11:00 Uhr sind wir in Pilsen und finden einen geeigneten Parkplatz nahe dem Zentrum der Altstadt. Auf der Fügnerova Ulica. Für uns ist die Länge unseres WoMo, 7,70 Meter, immer eine Herausforderung. Wir schieben also die Vorderachse soweit auf die angrenzende Rasenfläche,










