3.08.2026 Antygl, Montag, Wanderung über Horni Kvidla nach Filipova Hut, 10 km
Es ist schon 9:30 Uhr, als wir wach werden. Das gibt es nicht, so lange geschlafen!
Unser Frühstück ist spät, da gibt es etwas deftiges. Spiegeleier und Speck brate ich auf dem Bordgrill. Lecker!
Eigentlich habe ich zu nichts Lust. Es ist wieder reichlich warm, wir haben schon 28°C.
Wir sind gerade fertig mit dem Frühstück, da sieht Moni, daß unten am Fluß Vydra, direkt am Ufer ein Stellplatz frei geworden ist. Da wir ein paar Tage hier bleiben wollen, parken wir unseren Camper um. Das ganze dauert keine 10 Minuten. Und jetzt hören wir das Rauschen des Flusses.
Trotz meiner Unlust ändere ich meine Meinung. Ich folge der Moni und ziehe meine Wanderschuhe an. Wir nehmen unsere Wanderstöcke und wandern bis Horny Kvidla. Bei der Wärme kein Zuckerschlecken. Unterwegs, die Heidelbeeren sind ganz klein, auch denen macht die Hitze offenbar zu schaffen.
In Horny Kvidla ruhen wir uns aus. Das kleine Hotel Rankl lädt zum verweilen ein. Es dauert eine ganze Weile am Tresen, bis ich Bier und Limo bekomme. Viele Wanderer und vor allem Fahrradfahrer haben sich hier eingefunden und wollen alle nur das Eine: etwas zu Trinken. Interessant, es sind alles Tschechen und keine Deutschen außer uns.
Nach dem Sitzen fällt das Aufstehen schwer. Aber wir marschieren trotzdem weiter. Nächstes Ziel ist Filipova Hut in 5 km Entfernung. Es geht durch den Wald und vorbei an Wiesen. Im Grunde haben wir den Berg Antygl auf seiner Rückseite umrundet. Unterwegs sehen wir Blindschleichen und eine Kreuzotter, die die Sonne auf dem Weg genießen. Das letzte Stück geht es im Wald auf einem Weg, der von einem Harvester (Holzfällermaschine) völlig ausgefahren ist. Ob das mal gut ist für den Wald, fragen wir uns.
Am Eingang nach Filipova Hut sehen wir die Ankunft eines Buses. Der macht hier Endstation und Pause. Ich frage den Busfahrer, ob er in Antygl an unserem Camp hält. Er bejaht und wir entschließen uns die letzten 5 km mit dem Bus zu fahren.
Angekommen in Antygl kühlen wir uns erst mal im Fluß Vydra ab. Die Erfrischung tut gut.
Es gibt Pellkartoffeln, Quark, Leberwurst und Gurkensalat zu Abend. Und die Moni schneidet sich beim Gurkensalat zubereiten fast die Fingerkuppe ab.
Unsere Feuerschale, die wir an Bord mitführen, heizen wir heute an. Ich sammle Holz. Wir sitzen am Feuer bei Wein und Bier und lassen alle Viere gerade sein.








04.08.2026 Antygl, Dienstag, Fahrradtour am Plavebny Kanal 17 km
Heute ist Fahrradfahren angesagt. Wir wollen entlang des Schwarzenberksky Plavebny Kanal.
Zuerst müssen wir die Fahrräder bergauf schieben und tragen. Hinter unserem Camp geht es steil auf zum Kanal. Oben angekommen fahren wir zuerst nach Westen, dahin, wo das Wasser von der Vydra in den Kanal eingeleitet wird. Das sind so 5 km. Hier angekommen ist wie ein kleiner Stausee. Die Leute baden darin. Es sind um die 30°C an der Luft und da tut jede Erfrischung gut.
Wir baden nicht und fahren den Kanal abwärts, vorbei oberhalb Antygl. Der Kanal hat nur 3% Gefälle und das Wasser fließt gemächlich. Auch wir haben jetzt leichtes Fahren im 3. Gang.
Der Schwarzenbergsche Schwemmkanal oder heute Plavebny Kanal ist ein 50 km langes Kanalbauwerk aus natürlichen Flüssen und von Menschenhand geschaffenen Abschnitten. Er wurde im 18 Jahrhundert zwischen 1789 und 1791 gebaut und führt über die Europäische Hauptwasserscheide. Er überquert quasi den Berg. Auf der einen Seite Atlantik, Nordsee, Ostsee, auf der anderen Seite Mittelmeer und Schwarzes Meer. Von der Hauptwasserscheide fließen die einen Flüsse zur Elbe hin, die anderen zur Donau. Auf unserer Fahrradtour sehen wir weder Elbe noch Donau, weder Nordsee noch Schwarzes Meer! Über den Kanal wurden Städte wie Wien und Prag mit fossilen Brennstoff, nämlich Holz versorgt. Die Grünen, hätten die damals schon was zu sagen gehabt, hätten die Wiener und die Prager im Winter gefroren und den Kanal hätten die wieder zugeschüttet.
Der Kanal wird immer und immer wieder von Bogenbrücken aus Granitstein überspannt. Kleine Brücken die die Passage der Holzfuhrwerke möglich machten. Interessant ist der sogenannte Keilstein. Der ist in der oberen Mitte des Brückenbogens eingesetzt und hält somit die Rundbogenkonstruktion. Viele der Brücken sind heute restauriert und als Denkmäler erhalten, nur tragen diese die modernen Harvester, die heutigen Holzfällermaschinen, nicht mehr. Für die gibt es Betonbrücken.
Unterwegs machen wir Halt an einem Abzweig zur Hausvald Kapelle. Wir lassen die Fahrräder stehen und wandern hin. Die Kapelle gibt es nicht mehr, nur noch die Grundmauern stehen. Da die Kapelle Deutsch war und von Deutschen erbaut wurde, wurde sie nach Vertreibung der letzten ansässigen Deutschen dann 1953 geschliffen. Dennoch ist die Geschichte der Kapelle interessant. Einstmals waren zwei Frauen unterwegs. Da kam ein Bär. Die Frauen dachten schon an ihr Ende und beteten zu Gott. Der Bär ließ sie in Ruhe. Und aus diesem Anlass wurde eine Kapelle errichtet. Die Kapelle wurde fortan zum Wallfahrtsort.
Wir setzen unsere Fahrradtour fort und sind 14:00 Uhr in Srni. Hier sind wir K.O. Zeit für eine Erfrischung. Wir begeben uns in das zentral gelegene Hotel Restaurant. Es gibt Bier und Limonade und als spätes Mittagessen Rinderbraten mit Semmelknödeln und viel Soße.
Im nahegelegenen Coop machen wir kleine Einkäufe. Im Infocenter erfahren wir die Busabfahrtszeiten. Und als wir aus dem Infocenter rauskommen sehen wir schon einen Bus mit Fahrradanhänger. Ich radle schnell hin und obwohl der Bus gerade anfahren wollte nimmt er uns und unsere Fahrräder noch mit. OPNV freundlich und super organisiert in Tschechien. Es ist schon unsere zweite Busfahrt!
Zurück im Autocamping Antygl ist Baden angesagt. Erfrischung in der Vydra tut wohl. Und das Bier auch. Dann ist Siesta angesagt. Für mich länger, für Moni kürzer. Der alte Mann braucht halt viel Schlaf.
Heute Abend kommt unsere Feuerschale zum Einsatz. Am Stock braten wir Würstel, Krakenwürste sagen wir daheim.






05.08.2026, Mittwoch, Antygl, Wanderung zum Hochmoor und zurück nach Antygl, 15 km
Zum Frühstück gibt es Spiegeleier und Speck, gebraten auf dem Bordgrill. Mit den Campern von nebenan kommen wir vor deren Abreise ins Gespräch. Sie sind aus Slowenien. Wir erkundigen uns über das Leben dort. Auch in Slowenien wäre das Leben ohne die Politiker besser, so geben sie uns zu verstehen. Es ist überall das gleiche. Ein bisschen unterhalten wir uns über den Zerfall Jugoslawiens und das Danach.
Gegen 11:00 Uhr sind wir fertig für unsere Wanderung. Wir wollen zum Hochmoor, ungefähr 5 km von Antygl entfernt. Erst mal müssen wir, wie Gestern schon, steil bergauf zum Plavebny Kanal. Heute geht es leichter, wir müssen die Fahrräder nicht hochschieben. Dann geht es am Kanal entlang, so um die 2 km. Wir biegen ab auf den Gelb markierten Weg.
Hinter uns sind Wanderer mit quengelnden Kindern. Das Geheule und Gemecker der Kinder stört beim Wandern. Ich drehe mich kurz um und rufe Tiesche. Und ich habe es getroffen. Ruhe tritt ein auf dem Wanderweg. Später schaue ich nach: Ruhe auf Tschechisch heißt Tise, wie im russischen… slawisch ist slawisch.
Und Bald sind wir am Trijezerni Slat, bedeutet auf Deutsch Drei Seen Filz, gemeint ist das Hochmoor. Es ist Nationalpark und hinein und hinaus aus dem Moor führen Holzstege. Es wachsen Heidelbeeren, Preiselbeeren und Moosbeeren. Wir verweilen an einem See im Moor. Die Tannen rundherum spiegeln sich in der stillen schwarzen Wasseroberfläche. Sehr schön. Wir sehen aber nur einen von den drei besagten Seen, offenbar führen die Stege nicht überall hin
Unsere Wanderung geht nun bergab bis zum Roklandsky Podok, einem Flußlauf der durch Moorwiesen führt. Es ist eine Augenweide, schön anzusehen. Nach weiteren 2 km am Fluß erreichen wir eine Brücke, die direkt zu einer Gaststätte führt, neu gebaut aber im alten Stil mit riesiger Terrasse. Der Name ist Pivovar na Modrave. Es herrscht ganz schön Betrieb, das Geschäft mit den Wanderern und Radfahrern läuft. Wir tragen auch dazu bei, Moni trinkt Limo ich Bier, ein lokales IPA.
Die Gaststätte ist zugleich Brauerei, unten im Haus sind die Braukessel. Wenn mann zur Gaststätte von der einen Seite kommt, steht ein Ortseingangsschild mit der Aufschrift Pivovar – Deutsch: Brauerei. Als wir uns dann Richtung Modrava verabschieden, steht wieder ein Schild mit Pivovar, …durchgestrichen, das Ortsausgangsschild… sicher ein Scherz die zwei Schilder. Den Ort Pivovar gibt es nicht auf der Karte.
Nachdem wir heute bis Modrava ca 10 km unterwegs waren liegen vor uns bis Antygl noch mal 5 km. Das erste Stück, ca 2 km müssen wir auf der Landstraße laufen, weil wir den Abzweig zum Fluß Vydra verpasst haben. Ich bin Schuld… immer sind die Männer schuld, schrieb schon Stefan Heym. Aber wir erreichen dann doch eine Brücke von der Straße weg über den Fluß Vydra und wir laufen die letzten 3 km bis Antygl am Plavebny Kanal.
Angekommen am Camp gibt es erst mal Bier. Bei der Wärme braucht man Elektrolüte! Ich kaufe mir ein Bier am Kiosk, vom Faß versteht sich. Auf dem Plastebecher steht „RADEGAST…zivot je horky, Bohudnik, heißt auf Deutsch: Das Leben ist Bitter, Gottseidank.
Wir kühlen uns wieder ab im Fluß Vydra und braten dann Krakenwürste über der Feuerschale.











06.08.2026, Donnerstag, Antygl – Horni Plana am Lipno Stausee, 65km
Über Nacht hat es mindestens drei Mal geregnet. Wir haben zwar schlecht geschlafen, weil es warm und schwül war, aber dafür ist es jetzt am Morgen angenehm kühl. Wir frühstücken wie immer draußen vor dem WoMo. dann ist Packen angesagt. Das geht schnell, wir haben nun schon hinreichend Campererfahrung.
Kurz nach 10.00 Uhr geht es los. Die Straßen sind kurvig und eng, es geht hoch und runter, Gottseidank keine LKW‘s die entgegenkommen. Einzig die Busse und die Wohnmobile zwingen uns rechts ran und manchmal zum Stehen.
Im kleinen Ort Volary, etwa halbe Strecke heute, kaufen wir ein bei Penny. Wir essen Eis, dann geht es weiter bis zum Lipno Stausee. Wir sind jetzt raus aus dem Wald und wir fahren durch hügeliges Wiesenland.
Gegen 13:00 Uhr sind wir am Lipno Stausee, Kempten u Kukachku am Ostufer des Stausees, unweit von Horni Plata.
Wir bezahlen unseren Stellplatz mit direktem Blick auf den Stausee für zwei Tage. In Tschechien, wie auch hier bezahlen wir immer so 30…35 €/Nacht. Überall wird inzwischen auch Kurtaxe erhoben, aber die ist in etwa in der Tagessumme drin.
Am Ufer des Sees bauen wir uns auf, direkt zwischen Campern aus Passau und Regensburg. Die Leute aus Passau sind um die vierzig und nett. Die Regensburger sind unser Alter mit Elektrofahrrädern und altersgemäß verschlossen und verknöchert. Na vielleicht wird es noch.
Wir gehen baden und trinken unseren Anleger. Wir denken nach: am Lipno Stausee waren wir mit unserem roten Wartburg 353 im Jahre 1986. Das ist eine Weile her, wir sind inzwischen älter geworden.
Am Abend ist wieder BBQ time. Der Bordgrill bewährt sich, es werden Lammkotelett aus Neuseeland gebraten.
Und heute Abend kommt das Gewitter und der Regen endlich bei uns an. Es kommt ganz schön was runter. Über dem Stausee hat sich was zusammengebraut, keine Sicht mehr. Wir gehen 21:00 Uhr ins Bett. Und Nachts regnet es immer noch, aber das Gewitter ist weitergezogen.




07.08.2026, Freitag, Horni Plana am Lipno Stausee, Fahrradausflug und Wanderung, 10 km
Durch den Regen hat es sich abgekühlt, das ist angenehm. Trotzdem, wir frühstücken draußen mit Blick auf den See. Mit dem Bordgrill werden Spiegeleier und Schinkenspeck – lecker und nachhaltig.
Mit den Fahrrädern geht es nach Horni Plata, da. Oberplan, unser Camp gehört zwar zum Ort, ist aber gute 3 km entfernt. Der Fahrradweg ist ausgebaut und super. Er führt uns als erstes zu einer kleinen Fähre die zwischen beiden Ufern des Lipno Stausees verkehrt.
Moni hat unser nächstes Ziel ausgewählt. Ein Museum, das Geburtshaus des Böhmisch Deutschen Schriftstellers Adalbert Stifter. Und es lohnt sich. Wir lernen einerseits über den Schriftsteller, Maler und Lehrer, der hier in Oberplan 1805 geboren wurde. Er war ein bekannter Schriftsteller der Biedermeier Epoche. Er hat unzählige Erzählungen geschrieben und war Landschaftsmaler.
Im Museum gibt es aber auch eine interessante Ausstellung über den Lipno Stausee, der zwischen 1955 und 1958 gebaut wurde. Die Ausstellung befasst sich insbesondere mit der Veränderung der Landschaft durch den Stausee.
Danach schließen wir im Ortszentrum unsere Fahrräder an und wandern erst zur Ortskirche, dann zur Kapelle Kostel Pnny Marie Bolestne. Diese Kapelle ist mit Spenden der früher hier ansässigen Deutschen 1993- 1997 restauriert und instand gesetzt worden. Interessant, das waren die nach 1945 vertriebenen Deutschen.
Interessant ist auch die Geschichte der Entstehung der Kapelle. Da soll wohl einer an Epilepsie erkrankter Mann gewesen sein und der wurde durch das Wasser einer nahegelegenen Quelle geheilt worden sein. Deshalb entstand hier dann die Kapelle und wurde zum Wallfahrtsort.
Weiter wandern wir auf den Berg hoch zum Aussichtsturm Dobra Voda. Ein Stahlgerüstturm mit 163 Stufen nach oben. Ich steige hoch, Moni ist das zu heikel. Oben habe ich einen super Ausblik auf den Lipno Stausee und die bergige Umgebung. Ich genieße das und mache ein Movie. Die dauern quatschenden zwei Tschechinen stören den Film, er ist nur als Stummfilm zu genießen.
Beim Abstieg vom Berg kommen wir noch an einem Denkmal für Adalbert Stifter vorbei.
Gegenüber dem Abstellplatz unserer Fahrräder finden wir eine schöne Restaurace. Es ist 15:00 Uhr und wir nehmen ein spätes Mittagessen ein. Natürlich Gerichte mit Böhmischen Knödeln.
Weiter geht es mit den Fahrrädern zurück ins Camp.
Und dann, oh Schreck, ich trinke ein Bier aus dem Glas und ich sehe die Wespe nicht. Und die Wespe sticht mich in Zunge und Lippe. Ich kühle sofort mit eisgekühltem Whisky. das scheint zu helfen. Ich nehme davon mehr…
Dem Nachbarn aus Passau habe ich Werkzeug geliehen, bei denen im Wohnwagen ist eine Wasserpumpe defekt. Der Nachbar heißt Valentin und lädt mich nach erfolgreicher Reparatur zum Bier ein. Es werden einige Biere an einem kleine Campingplatz Bistro. Der Valentin erzählt über sich. Er hat ungarische Eltern, ist in Holland geboren, in Österreich aufgewachsen und lebt jetzt in Passau in Deutschland. Er arbeitet im Vertrieb und da haben wir beide einiges zu erzählen.
Bis zum Schlafengehen sitzen wir dann alle noch vor unserem WoMo und schwatzen












08.08.2026, Sonnabend, Horni Pala – Ceski Krumlov, 75 km
Gegen 10:00 Uhr sind wir soweit abreisebereit und verabschieden uns von den netten Nachbarn aus Passau, dem Valentin und der Tanja.
Bevor wir das Camp verlassen nutzen wir noch die ordentlichen Fasilitäten des Camps: Wasser auffüllen und WC Kassette entleeren.
Unsere Fahrt führt uns als erstes zur Staumauer des Lipno Stausees. Das Informationszentrum ist leider geschlossen. Dennoch lernen wir, dass der Stausee so alt ist wie wir und eine Leistung von 120 MW über zwei Kaplanturbinen erzeugen kann. Wir wandern über die Staumauer und untenherum zurück zum WoMo und sehen noch die 110 kV Kraftwerksschaltanlage.
Unsere Fahrt setzen wir fort, aber offenbar in die Falsche Richtung. Wir kommen durch Vissy Brod, vorbei an dem alten Kloster Hohenfurth. Wir halten nicht an, wollen ja nach Cesky Krumlov. Dann kommt ein Hinweisschild, dass es nur noch 40 km bis Linz sind. Da wollen wir nicht hin. Wir haben 3 Navigationsgeräte an Bord und trotzdem verfahren wir uns…
Wir wenden, fahren einige Kilometer bis Vissy Brod zurück und finden dann eine schmale serpentinenreiche Straße Richtung Cesky Krumlov. Und unterwegs dann auch noch ein Schild mit gesperrt für schwerer als 3,5 Tonnen. Aber es gibt kein zurück wir fahren mit unseren fast 5 Tonnen trotzdem weiter.
Gegen 13:00 Uhr sind wir endlich am Ziel, hätten aber einfacher und schneller nach Cesky Krumlov kommen können. Dafür finden wir einen super Stellplatz für Wohnmobile, wo wir auch über Nacht bleiben können. Unser Entschluss steht fest, wir bleiben heute Nacht hier, werden autark stehen ohne Strom und so.
Wir beginnen unsere Wanderung in die Altstadt und kommen als erstes zu einem riesigen Viadukt, welches vom einen Teil der Schlossburg zur anderen führt. Wir gehen nicht unten durch sondern steigen erst mal auf die Burg hoch.
Oben geht es durch die Innenhöfe vom Schloss. Das Innere des Schlosses können wir nicht besichtigen, geht nur mit Führung und das lieben wir nicht. Einzig eine Ausstellung in den Gewölben, der Stadt unter der Stadt besuchen wir. Die zeigt Sureale Kunst, ein wenig ordinäre Skulpturen. Was der Künstler sich dabei wohl gedacht hat… eigenartige Fantasien.
Das Schloss hat einen tollen alten Turm, den wir hätten besteigen können. Aber Moni mag nicht und so lassen wir das. Wir steigen runter in die Altstadt, um die sich mäanderartig die Moldau windet. Wir beobachten die Kanufahrer wie sie durch die Stromschnellen der Moldau fahren.
Als nächstes schauen wir in die St Veit Kirche, und kommen dann zum Markt mit dem Brunnen und der Pestsäule.
Am Moldauufer, nicht weit von der Mühleninsel machen wir etwas gegen unseren Hunger und Durst. Wir haben einen schönen Platz in einem Terassenrestaurant.
Und dann laufen wir bis zur Erschöpfung durch alle Gassen der Altstadt. Moni will kein Ende finden. Endlich, gegen 17:00 Uhr sitzen wir in einem Gartenrestaurant direkt an der alten Wassermühle und ruhen uns beim Getränk aus. Auch gibt es noch was zu Essen, das ersetzt uns das Abendbrot am WoMo.
Gegen 18:00 Uhr erklären wir den Besuch in Cesky Krumlov für abgeschlossen und kehren zurück zum WoMo.











09.08.2026, Sonntag, Cesky Krumlov – Knizeci Rybnik, 140 km
Die Nacht über haben wir autark gestanden. Die Solarplatten haben gut gearbeitet und die LiFe Batterie hat 98% Kapazität. Ich bin zufrieden.
Weiter geht unsere Fahrt nach Budweis. Es sind nur 35 km bis hin. Wir finden einen Parkplatz für Wohnmobile fußläufig zur Altstadt. Es ist Sonntag und das Parken ist kostenlos.
Wir wandern die 15 Minuten zur Altstadt. Wieder, auch Budweis hat einen quadratischen Marktplatz mit Springbrunnen, dem Samsonbrunnen, und dem Rathaus an einer Seite. das Rathaus ist interessant, weil auch hier wird der Betrachter getäuscht. Der Giebel obendrauf ist ohne Raum dahinter. Fast wie in Stralsund, denke ich.
Wir schauen uns das Dominikanerkloster mit der Klosterkirche und dem schönen Kreuzgang an. Dann sind wir wieder zurück am Markt, schließlich ist alles um diesen Markt angeordnet, auch der Schwarze Turm. Ich steige hoch, 225 Stufen und habe eine schöne Sicht von der Aussichtsplattform auf 48,72 Meter. Der Turm selbst ist 72 Meter hoch und von drei Baumeistern im 14. Jahrhundert erbaut. Sein Fundament ist auf Eichenpfählen wegen dem hohen Grundwasserspiegel gegründet.
Zurück zur Aussicht vom Schwarzen Turm: Ich kann das Kernkraftwerk Temelin mit seinen vier Kühltürmen sehen. Das interessiert mich.
Wir schauen uns noch den Dom St. Nikolaus innen und außen an und beenden die Stadtbesichtigung mit Kaffee und Kuchen am Markt.
Wir entschließen uns einen Abstecher zum Kernkraftwerk Temelin zu machen, es ist nur 25 km entfernt von Budweis.
Schon bei der Anfahrt sehen wir die zwei Gebäude, welche die Reaktorblöcke beherbergen und natürlich die imposanten vier Kühltürme. Im Internet habe ich mich informiert, das Kraftwerk ist schon zu sozialistischen CSSR Zeiten geplant worden und sollte einst vier Reaktoren WWR 1000 haben, genau wie in Greifswald/ Lubmin. Errichtet wurden aber bisher nur zwei Blöcke, welche im Jahre 2002 und 2003 an das Netz gingen, gegen den Protest von Umweltheinis und der Österreicher. Immerhin ist das AKW nur 60 km von der Deutschen Grenze und 40 km von der Österreichischen entfernt. Übrigens ist die Genehmigung für den Bau der weiteren 2 Reaktoren weiter gültig, wenn der selbe Reaktortyp errichtet wird.
Wir fahren ein wenig hin und her, um noch ein Foto von den Blöcken und den Kühltürmen machen zu können. Dabei kommen wir auch bis zur naheliegenden Schaltanlage 400kV, zur Abführung der gigantischen Kraftweksleistung. Immerhin, mit den 2 GW installierter Leistung deckt Tschechien ein Fünftel seines Energiebedarfes. Und die haben noch ein zweites AKW in Dukovany in Südmähren!
Leider ist das Informationszentrum nahe dem Kraftwerk Temelin geschlossen. Es wird rekonstruiert. Insoweit sehr schade, das hätte mich schon interessiert.
Wir fahren weiter ein Stück, etwa 20 km, auf der Autobahn in Richtung Prag. Moni hat einen Campingplatz an einem kleinen See herausgesucht. Den steuern wir an. Der See heißt Knicecni Rybnik und wir finden einen schönen Platz auf einer großen Wiese.
Wir gehen baden im See. Die Erfrischung tut gut bei Lufttemperaturen um die 35°C. Danach wird der Bordgrill angefahren. Es gibt Entrecote.
19:00 Uhr, Moni spaziert herum und ich schaue mir mal die Nachrichten in der Tagesschau an und das Sommerinterview mit dem Co-Chef der Linken, dem Herrn Pantisano… Klingt wie Partisan und das ist wohl auch einer. Er will die Verstaatlichung von Mercedes. Die Interviewerin fragt ob das dann VEB Mercedes wird!
Ich rufe einen früheren Kollegen aus AEG/Areva/Alstom Zeit in Bratislava an. Der Dusan ist ein ganz netter, spricht perfekt Deutsch. Bratislava ist ja ganz in der Nähe, hätte ihn gerne getroffen, aber er ist krank und fühlt sich nicht. Na wenigstens haben wir telefoniert.
Am Abend hören wir immer Live Musik. Wir gehen dem Klang nach und finden eine Campingplatzkneipe wo eine Tschechische Altmännerkapelle spielt. Wir setzen uns, trinken erst Wein und Bier und tanzen dann Polka.


















