17.08.2026, Montag, Niederen Tatra, Sedlo Certovica, Wanderung 19km
Am Morgen ist Regen angesagt für 9:00 Uhr bis 10:00 Uhr. Da haben wir Zeit für das Frühstück. Und tatsächlich, es regnet exakt in dem vorgeschauten Zeitraster. Auf die Wetter-App ist verlass.
Wir beginnen unsere Wanderung kurz nach Zehn. Die Sonne lacht wieder. Der Regen hat ein wenig Abkühlung gebracht. Es geht erst mal eine halbe Stunde einen geschotterten Holzatransportweg bergauf. Der Kammweg ist rot markiert und das wird den ganzen Tag so bleiben.
Und nach der halben Stunde sind wir auf dem Sedlo za Lenivou. Wir biegen ab auf einen Bergpfad. Der ist ausgetreten, aber eben nur ein Pfad. Und auch hier ist unser Weg rot markiert. Es geht immer hoch und runter zwischen 1390 und 1480 Metern. Über die Garmin-Karte auf meinem Handy bekomme ich exakt die Höhe.
Der Regen hat die niedrigen Bäume und das kniehohe Gras nass hinterlassen. Beim Wandern auf dem Pfad überträgt sich die Nässe auf Bergstiefel, Kniestrümpfe und Hosen und der Schweiß läuft in Strömen.
Ab und an geht es jetzt auch durch Hochwald. Da läuft es sich schon einfacher. 11:45 Uhr etwa sind wir am Bacusske Sedlo, 1311 Meter ü.d.M. Hier treffen wir das erste Mal heute andere Wanderer. Ein junger Mann und seine Freundin. Wir unterhalten uns. Er ist 22 und studiert in der Slowakei Forstwirtschaft. Wir erzählen denen, dass wir die Kammwanderung hier vor 47 Jahren als Studenten gemacht haben, mit Rucksack und Zelt, so wie die jungen Leute heute. Der junge Mann fragt, was ist anders heute auf dem Kamm. Ich antworte, die Beschilderung und weniger hohe Bäume. Er erklärt uns, dass ein Sturm 2004 die die Bäume umgeknickt hat wie Streichhölzer.
Wir wandern weiter. Im Wesentlichen halten wir die Höhe von 1450 Metern. Nur einen schwereren Anstieg haben wir zu nehmen, den Janov Grun. Danach noch eine halbe Stunde und wir erreichen unser Tagesziel, die Hütte an der Ramza Alm.
In der Ramza Almhütte haben wir vor 47 Jahren das erste Mal übernachtet. Damals waren Moni und ich mit Rucksack und Zelt auf dem Kamm der Niederen Tatra unterwegs. Wir waren noch Studenten. Ein bisschen anders sah die Hütte damals aus. Sie war im Dach ein wenig spitzer und in die obere „Etage“ gelangte man über einen kleinen Eingang von der Hinterseite. Wir schliefen damals im unteren Teil und nachts kamen Wanderer an und da kam plötzlich Bewegung über uns. Wir dachten, Räuber kommen. Heute gelangt man nur von vorn in die Hütte, aber Feuerholz und der kleine Ofen sind immer noch da.
Moni und ich haben uns Würste mitgebracht, die fettigen Slowakischen, und machen vor der Hütte in der Feuerstelle ein Lagerfeuer und brutzeln uns die Würste, genauso wie wir das schon früher getan haben.
Irgendwann später kommen die zwei jungen Leute, die wir schon unterwegs getroffen hatten. Wir schwatzen noch ein bisschen und die machen mit unseren Fotoapparaten noch ein seltenes Foto von Moni und mir gemeinsam.
Eines sollte ich an dieser Stelle noch erwähnen: Damals vor 47 Jahren war hier alles ein wenig sauberer. Die Leute heute lassen hinter der Hütte ihre Papiere vom Arschabwischen liegen, das ist eklig. Das gab es damals nicht.
Es ist 14:00 Uhr, wir wandern zurück. Es ist derselbe Weg, den wir am Vormittag gewandert sind, nur in der entgegengesetzten Richtung. Und es ist wieder heiß. Die Sonne ballert unbarmherzig. Wir brauchen knapp 3 Stunden zurück zum Parkplatz, wo unser WoMo steht. Wir sind ganz schön geschafft. Eigentlich wollen wir morgen auf der anderen Seite bis zum Dumbier wandern, aber die Füße und Beine sind müde. Das müssen wir nochmal überdenken.
Unser WoMo steht autark. Wir haben weder Strom noch eine Dusche auf einem Campingplatz. Das erste Mal benutzen wir unsere Dusche an Bord des Wohnmobiles. Und das klappt vorzüglich.
Den frühen Abend verbringen wir im nahen Motorest und essen lecker zu Abend. Die slowakische Küche ist vorzüglich, aber schwer. Bier und Slivovice helfen bei der Verdauung.
Zurück am WoMo reicht bei mir noch die Kraft für die tägliche Lügenschau… äh Tagesschau. Dann falle ich ins Bett. Moni dagegen sitzt weiter vorm Fernseher.
18.08.2026, Dienstag, Niederen Tatra, Sedlo Certovica – Skiresort Tale, 35 km
Die Nacht über hat es gestürmt. Beim Pinkeln draußen sammle ich unseren Wassereimer ein. Der steht normalerweise unter dem Grauwasserauslassrohr, der Wind hatte den aber bis kurz vor den Abhang vom WoMo weg getrieben.
Dann bin ich schon das erste Mal richtig wach seit 6:00 Uhr. Und der Wind pfeift und die Thermoabdeckung der Frontscheibe flattert. Die nehme ich schnell ab und verstaue sie. Danach schaue ich in die Wetter-App. Draußen sind 8°C, gefühlt 5°C, so die Wetter-App. Wir legen uns wieder hin.
Und endlich beenden wir die Nacht. Es ist 9:00 Uhr. Immer noch ist es kalt draußen. Bei uns drinnen blubbert die Gasheizung. So frühstücken wir gemütlich ohne Stress. Die Wanderung heute haben wir abgewählt. Unsere Beine sind noch schlapp von der gestrigen Tour zur Ramza Alm. Außerdem ist es bedeckt und lädt nicht gerade zum Wandern ein.
Nach 10:00 Uhr fahren wir los. Für die zwei Nächte hier auf dem Parkplatz bezahlen wir an der Schranke noch 10 €, ein Schnäppchen! Unsere Fahrt geht vom Pass runter auf der Südseite der Niederen Tatra in Richtung Banska Bystrica. Wir durchfahren steile Serpentinen. Unsere 5 Tonnen rollen. Der Durchschnittsverbrauch geht auf 6,5 Liter runter. Das gibt es doch nicht… normal ist das Doppelte.
Fast unten an der Hauptstraße, die unten im Tal im Süden an der Nieder Tatra vorbei geht, biegen wir rechts ab, Richtung Tale. Von hier aus folgen wir 10 km der Straße aufwärts bis zur Talstation der Gondelbahn zum Chopok. Der Chopok mit seinen 2023 Metern ist der dritthöchste Berg der Niederen Tatra. Wir wollen mit der Seilbahn hochfahren, rentnergerecht. Wir parken auf dem großen Parkplatz der Station Krupova und erkundigen uns. Der Gipfel liegt ab Mittelstation, Kosedrevina, in Wolken. Man sagt uns, morgen macht es mehr Sinn, da solle es weniger bewölkt sein.
Wir disponieren um und fahren wieder ins Tal nach Tale. Hier gibt es ein nettes kleines Hotel Tale mit angeschlossenem Stellplatz für Wohnmobile. Wir quartieren uns ein. Eigentlich geht alles nur auf Bestellung, die haben nur Platz für 7 Camper, aber wir haben Glück.
Im Hotel essen wir zu Mittag. Gute Küche, wie ich schon berichtete, auch hier wieder. Wir essen uns satt und dann halten wir Siesta.
Neben uns stehen hier drei deutsche Camper und zwei aus den Niederlanden. Die Deutschen sind nicht sonderlich kommunikativ, dafür der eine junge Mann aus der Nähe von Rotterdam. Ein Student, der alleine mit einem alten Bulli unterwegs ist. Wir unterhalten uns abends am Lagerfeuer. Und dann kommen immer mehr Leute an das Feuer. Ein Paar aus den Niederlanden, die Namen habe ich mir nicht gemerkt. Der Ivo, der holländische Student, sitzt ja schon eine ganze Weile. Dann kommen die Leute aus der Singener Gegend, Svenja, Falk und Sohn Leonhard. Ein bisschen später dann noch ein Martin aus der Slowakei. Wir trinken Bier, Wein und Borovicka und dann bringt der Ivo noch Sambuca. Und als langsam das Holz für das Feuer ausgeht, da schafft der Ivo noch ein einmetriges Stammstück aus dem Wald herbei. Gut, dass es Fiskars gibt, ich habe die Spaltaxt dabei. Aber mein bisschen Kraft reicht nicht. Der Falk aus Singen spaltet erfolgreich. Das Feuer brennt bis Mitternacht und wir auch.
19.08.2026, Mittwoch, Niederen Tatra, Skiresort Tale, Wanderung vom Chopok zum Dumbir und zurück, 12 km
Gegen 9:30 Uhr sind wir fertig für den Aufbruch. Wir fahren mit dem Wohnmobil hoch zur Talstation Krupova der Seilbahn zum Chopok. Wir kaufen uns Tickets, hoch und runter. Wir sind Rentner und brauchen einen rentnergerechten Auf- und Abstieg. Die Seilbahn fährt im Sommer nur halbstündlich. Wir steigen in die um 10 Uhr ein und fahren nach oben. Mit uns sitzen 3 Ungarn in der Gondel. Die sind unser Alter und freundliche Leute. Der Mann hat einen elektronischen Übersetzer, spricht rein und präsentiert uns die deutsche Bedeutung. Nach Umsteigen in der Mittelstation Kosedrevina unterhalten wir uns über das Ding.
10:20 Uhr sind wir oben auf dem Chopok. Es ist nebelig, der Berg ist in den Wolken. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Die Wolken werden sicher aufreißen und wir wandern los. Und tatsächlich, kaum sind wir 15 Minuten unterwegs, kommt die Sonne durch und wir sehen rückwärts die Seilbahn.
Der Chopok ist mit seinen 2023 Metern der dritthöchste Berg der Niedern Tatra. Der Dumbir ist der höchste mit 2043 Metern. Dennoch führt unser Weg erst mal abwärts. Wir verlieren bis zum Pass über dem Dämenovskaja Dolina 300 Höhenmeter. Bis dahin geht unser Weg vorbei unterhalb des Gipfels Konske. Am Pass Dämenovska Sedlo machen wir Pause. Wir müssen erst mal durchatmen. Wir haben gute Sicht in das Dämenovska Dolina (Tal). Von da macht man den Nordaufstieg auf Chopok und Dumbir, wenn man ganz von unten kommt.
Weiter geht unser Weg. Wir müssen jetzt wieder aufwärts, vorbei am Berg Krupova Hola. Aber es geht immer schräg aufwärts. Bis zum Krupovo Sedlo. Von hier sind es noch 25 Minuten bis hoch auf den Gipfel des Dumbir.
Es ist 12:30 Uhr und wir gehen das letzte Stück an. Es ist tüchtig felsig. Rechts geht es steil runter. Nach 10 Minuten macht Moni schlapp. Ihr ist ein wenig schwindelig. Das ist die Höhenangst. Wir stimmen uns ab. Sie geht zurück zum Krupowa Sattel und wird warten. Ich mache das letzte Stück Aufstieg. Kurz nach 13:00 Uhr habe ich es geschafft : 2043,4 Meter! Ich denke, es ist für mich mindestens das dritte Mal hier oben auf dem höchsten Berg der Niederen Tatra. Ich bitte andere Wanderer, ein Gipfelfoto von mir zu machen, esse eine Knacker und ein Stück Brot. Und dann steige ich ab.
Runter zu geht es schneller, ich muss aber meinen Blick immer nach unten richten, auf die Steine, über die ich mich abwärts bewege. Runter bis zum Sattel, wo Moni wartet, brauche ich nur 20 Minuten. Mit Moni verschnaufe ich dann noch eine Weile und dann marschieren wir los mit dem Strom der Wanderer. Alle wollen zurück zum Chopok. 17:00 Uhr geht die letzte Seilbahn runter zum Parkplatz, zur Talstation.
Oben kurz vor dem Ziel am Chopok spricht mich ein Mann in akzentfreiem Deutsch an. Ein Ungarndeutscher, der wie er erzählt, direkt an der Grenze zu Ungarn auf Slowakischer Seite lebt. Ich denke, er ist mein Alter und er wird gleich politisch. Er sagt, das heute ist nicht mehr seine Zeit. Aus ihm spricht die Sorge über die heutige Zeit. Er will noch ein Bier mit uns in der Bergbaude trinken. Leider muss ich ablehnen. Ich muss unten dann das WoMo fahren und in der Slowakei gilt wie in Tschechien 0 Promille und Null Toleranz.
Wir schaffen die Seilbahn um 16:00 Uhr. Unten angekommen wollte ich noch in den nächsten Potravini (Lebensmittelladen) fahren. Aber wir canceln diese Idee. Wir sind beide kaputt und schlapp von der Wanderung und fahren zurück nach Tale in das Camp der letzten Nacht.
Hier angekommen sind keine Camper mehr da. Wir duschen und gehen dann im Hotel des Horsky Slusba (Bergrettung) essen. Es gibt eine leckere Suppe mit viel Knoblauch und danach Steak Tatar.
Und dann kommt doch noch ein Camper. Es sind wieder die Singener, Falk, Svenja und der Sohn Leonhard. Und wir finden uns alle wieder am Lagerfeuer. Holz gibt es immer noch. Nur heute halten wir nicht so lange durch… die Beine…
20.08.2026, Donnerstag, Niederen Tatra, Skiresort Tale – Hohe Tatra, Stara Lesna, 110km
Heute, nach dem Frühstück, verabschieden wir uns von der Niederen Tatra. Und wir verabschieden uns von Svenja, Falk und Leonhard. Gegen 10:00 Uhr sitzen wir im Wohnmobil und fahren nach Süden, bis wir auf die Fernstraße 66 treffen. Ab hier geht es nach Osten, sozusagen auf der Route 66! Wir kommen durch ein Dorf namens Helpa, da ist tatsächlich am Ortseingang und am Ortsausgang ein Wappen, ähnlich der Route 66, wie in Amerika.
In Brenzo machen wir Halt. Wir kaufen ein bei LIDL. Weiter geht es dann ostwärts. Und irgendwann ist die Niedere Tatra dann zu Ende. Wir stoßen auf das Slovensky Raj, das Slowakische Paradies. Wir fahren jetzt nordwärts, Richtung Hohe Tatra. Das Slowenski Raj liegt jetzt immer rechts von uns. Die Fahrt ist serpentinenreich und es geht erst hoch und dann wieder runter Richtung Poprad. Eigentlich ist unser Ziel Zdiar, ein kleiner Ort in der Weißen Tatra, Belanske Tatry. Aber Moni meint, es wäre besser, vor dem Wochenende einen Platz in einem Camp in der hohen Tatra zu finden. Also disponieren wir um, wir fahren erst mal in die Hohe Tatra.
Kurz vor Poprad sehen wir die Hohe Tatra, ein tolles Panorama. Dann führt unser Weg durch Poprad. Ich oder besser wir erkennen nichts wieder. Ich war viele Male hier, Moni zwei Mal. Aber es scheint alles anders. Neue Häuser und Hochhäuser… meine Erinnerung gibt das nicht her.
Aus Poprad raus geht es nordwärts Richtung Hohe Tatra. Die haben wir bildlich vor Augen. Wir sehen die Lomnitzspitze und den Gerlach, die höchsten Berge der Hohen Tatra. Wir fahren über Nova Lesna, Richtung Tatranská Lomnitza. Kurz vor Tatranska Lomnica biegen wir ab, nach rechts zu unserem Camp für die nächsten Nächte: Rijo Camp, Stara Lesna.
Wir sind angekommen, es ist fast 16:00 Uhr. Und wie es der Zufall will, stehen wir neben den Freunden aus Singen. Wir hatten uns heute Morgen verabschiedet und jetzt stehen wir zufällig wieder nebeneinander.
Wir melden uns im Camp an und planen den morgigen Tag. Wir buchen uns die Seilbahnfahrt zur Lomnitzspitze. Die ist zwar nicht billig, aber wenn wir schon mal hier sind…
21.08.2026, Freitag, Hohe Tatra, Stara Lesna – Tataranska Lomnica – Lomnitzspitze, gewandert 7 km
Wir kommen endlich gegen 10:00 Uhr los. Unsere Campernachbarn schließen sich uns an. Wir wandern nach Tatranska Lomnica, das sind nur 35 Minuten.
Mit der alten Kabinenbahn geht es zur Zwischenstation „Start“ auf 1145 Metern. Von hier geht es weiter mit einer neuen Kabinenbahn von Doppelmeier hoch zum Skalatne Pleso auf 1751 Meter.
Das ist der Ausgangspunkt der frei schwebenden Seilbahn zur Lomnitzspitze auf 2634 Meter. Die haben wir gebucht, aber erst für 16:40 Uhr. Das sind enge Zeit Slots. In die eine Gondel gehen immer nur 12…15 Leute. Wir haben also Zeit und das ist gut so, denn bis zum frühen Nachmittag ist die Lomnitzspitze in Wolken.
Hier oben am Skalatne Pleso geht der Tatra Magistralweg entlang. Wir wandern und erklettern den für 1,5 Stunden Richtung Weiße Tatra, Belansky Tatry. Dabei kommen wir vorbei am Bergobservatorium, einer Sternwarte, die im Jahre 1940 erbaut wurde und zur Slowakischen Akademie der Wissenschaften gehört. In das Tal runter Richtung Poprad, zur Niederen Tatra und dem Slowensky Raij haben wir tolle Sicht. Bis zur Niederen Tatra sind es von hier oben, so schätze ich, 40–45 km. Wir blicken immer wieder nach oben zur Lomnitzspitze. Die ist immer noch in Wolken eingehüllt.
Also, nach anderthalb Stunden Aufstieg kehren wir um. Wir wollen es heute nicht übertreiben. Wir kehren ein in das Restaurant am Skalatne Pleso, direkt in der Seilbahnstation. Hier essen wir leckere Suppe und es gibt auch was zu trinken. Die Ausstellung über die Bahn zur Lomnitzspitze sehen wir uns auch an.
Es ist 14:00 Uhr, wir machen noch eine Wanderung um den kleinen Skalatne Pleso (See). Immer wieder schauen wir zur Lomnitzspitze rauf und die taucht jetzt immer öfter aus den Wolken auf. Genau das brauchen wir, freie Sicht, wenn wir oben sein werden.
Im Restaurant warten wir bei einem Glas Wein auf unsere Bergfahrt zur Lomnitzspitze. Und dann kommen immer wieder die Ansagen auf Slowakisch und Englisch: Die Seilbahn zur Spitze fährt nicht aus technischen Gründen. So ein Mist. 16:20 Uhr bekommen wir die endgültige Absage. Wir können nichts machen als uns zu ärgern. Die Lomnitzspitze war jetzt wolkenfrei, schade, schade…
Mit der Gondelbahn fahren wir runter zur Talstation in Tatranska Lomnitza. Erst mal versuchen wir in der Talstation die Rückerstattung für die abgesagte Gondelfahrt zur Lomnitzspitze zu erhalten. Das klappt leider nicht, weil wir online gebucht haben, über GOPASS. Shit, das muss ich nun mühselig über E-Mail Verkehr mit GOPASS lösen. Als Kunde ist man eben immer angearscht.
Na dann wandern wir eben zurück zum Camp. Wir werfen den Bordgrill an und es gibt feinste neuseeländische Lammkoteletts. Moni hat in unserem Tiefkühlschrank immer noch Überraschungen.
Und den Rest des Abends verbringen wir an unserer Feuerschale mit den Nachbarn vom Camper nebenan.
22.08.2026, Sonnabend, Stara Lesna – Strebske Pleso, mit der Bahn und 9 km gewandert
Wieder verabschieden wir uns von den Campernachbarn. Das ist nun schon das zweite Mal, dass wir uns von den Leuten aus Singen verabschieden. Wir wandern die anderthalb Kilometer zur Station der Tatranska Eisenbahn. Unsere Haltestelle ist Stara Lesna.
Unser Zug soll 10:42 Uhr fahren. Wir sind rechtzeitig da, haben aber ein Problem mit den Zugtickets. Verschiedene QR Codes sollen helfen, die Tickets online zu buchen. Aber wir bekommen das nicht hin. Da kommen zwei Slowaken zu Fuß und die helfen uns. Die Frau nutzt eine andere App und kauft unsere beiden Tickets, welche für zwei Stunden gelten. Ich fotografiere die Tickets von ihrem Smartphone ab und will die bei ihr in Cash bezahlen. Aber sie schenkt uns die Tickets.
Und dann kommt unser Zug und der ist richtig voll, aber wir bekommen doch Platz. Erst mal geht es bis Stary Smokovec, vier Stationen. Hier müssen wir umsteigen in den Zug, der von Poprad bis nach Strebske Pleso fährt. Und nochmal elf Stationen und 45 Minuten Fahrt. Rechts aus dem Wagenfenster sehen wir die Berge der Tatra.
In Strebske Pleso wälzen sich die Massen der Wanderer Richtung See. Wir folgen denen ein Stück, machen aber an einem Restaurant, der Alten Post, halt. Wir haben einen kleinen Hunger, es ist schließlich fast 12:00 Uhr. Wir essen leckere Sauerkrautsuppe.
Dann wandern wir zum See und rundherum. Eine anspruchslose Tour, fast ein Spaziergang. Interessant sind die Informationstafeln am Wegesrand. Es geht um die Flora und Fauna der Tatra. Informiert wird zu Gämsen, Adlern, Braunbären, Hirschen, Murmeltieren und…
Weiter interessant eine Informationstafel über den Slowakischen Nationalaufstand 1944. Auch steht hier am See auf einer Halbinsel ein Denkmal, das an den Aufstand erinnert. Ich glaube, ich werde unter der Rubrik Geschichten mal zusammenfassen, was ich inzwischen über den Aufstand gelernt habe.
Von Wanderweg sehen wir das Hotel Patria. Da waren wir vor etwa 30 Jahren mal abgestiegen. Wir waren hier mit unserem ersten Mercedes. Damals haben wir von hier den Bergführer gebucht, der uns zur Gerlach Spitze geführt hat.
Wir wandern weiter. Wir sehen die große Skischanze. Die wurde noch zur Zeit der CSSR gebaut, für die FIS Weltmeisterschaft 1970.
Kurz vor dem Ende unserer kleinen Wanderung um den Strepske Pleso biegen wir ab zum Hotel Patria. In der Hotellobby trinken wir Kaffee, essen Kuchen und erinnern uns.
Zurück geht es Richtung Bahnhof. Wir beschließen beim Umsteigen in Stary Smokovec, dass wir einen Stoppover machen. Und so machen wir das.
Viel ist nicht zu sehen im Ort. Viele schöne alte Hotels, alles Fachwerkkonstruktionen vom Beginn des letzten Jahrhunderts. Ausnahme ist ein modernes Ferienresort. Auffällig in Ortsmitte, ein wunderschönes Exemplar dieser Hotels und davor ein Denkmal… sehr sozialistisch. „Susosie Viitazstvo Prace“ – Denkmal des Sieges der Arbeit von 1954, also 2 Jahre älter als ich. Es erinnert an die Befreiung und den Sieg über den Faschismus.
Und hier gegenüber ein tolles altes Gebäude mit Terassenrestaurant und davor spielt live eine slowakische Band tolle Musik. Hier sitzen wir uns fest mit Bier und Hugo.
Weiter interessant die alte Kirche im Ort. Die Kirche von der Unbefleckten Empfängnis der Maria, erbaut 1888 im lokalen alpinen Stil. Sie erinnert uns an die Holzkirche in Wellington bei unserer Reise nach Neuseeland vor anderthalb Jahren.
Auf dem Weg zum Bahnhof machen wir noch Halt vor einem weiteren modernen Denkmal. Es erinnert an die verheerende Windkatastrophe in der Hohen Tatra im November 2004. Auf Slowakisch steht geschrieben: Nicht das Handeln der Natur, sondern das Nichthandeln der Menschen ist eine Katastrophe. Damals sind Waldbestände in einer Schneise von 50 km Länge und 3-5 km Breite vernichtet worden.
Wir fahren weiter zurück nach Stara Lesna, unserem Camp. Abendessen gibt es heute im kleinen Campingplatzbistro.
223.08.2026, Sonntag, Stara Lesna – Zdiar, Weise Tatara, 18 km, 9 km Wanderung
Wir brechen unser Lager in Stara Lesna, der Hohen Tatra ab. Wir wollen noch einen Abstecher in die Weise Tatra, Belasnske Tatry, machen. Es ist nicht weit bis dorthin und so lassen wir uns Zeit mit Frühstück und Abfahrt.
10:15 Uhr geht es los. Am Ausgang des Camp Rijo Stara Lesna bezahlen wir noch für die 3 Tage. 120 €, das geht. Aber interessant, für jeden Tag auch hier in der Slowakei bezahlen wir Kurtaxe. Es ist nicht anders als auf der Insel Rügen, überall Wegelagerergebühren.
Unsere Fahrt geht entlang der Hohen Tatra nach Osten. Wir umfahren die Berge der Weisen Tatra im Osten Richtung polnischer Grenze. Es geht hoch nach Zdiar. Der Ort zieht sich nach dem Ortseingangsschild dann 5 km bergauf. Anhalten geht nicht. Es gibt keine Parkplätze. Erst weit oben, wo der Ort endet, ist ein großer Parkplatz angrenzend an ein Skigebiet. Hier parken wir unser WoMo und bezahlen über eine App 8 € für 24 Stunden. Wir werden unser Landschiff hier stehen lassen, wandern und dann über Nacht hier bleiben. Vom Parkplatz haben wir eine wunderbare Aussicht auf die Kalkfelsen und Berge der Weisen Tatra.
Gegen 12:00 Uhr wandern wir los. Wir wollen den Ort erkunden und der ist 5–6 km lang. Da wir oben auf dem Berg parken, geht unser Weg immer bergab. Es ist leicht runter zu laufen, sicher wird der Weg zurück zum WoMo beschwerlicher.
Unser Weg führt uns vorbei an Häusern mit Ferienwohnungen und Skiresorts. Ich habe Zdiar anders in Erinnerung. Vor 40 Jahren dominierten hier noch alte Holzhäuser und Vierseitengehöfte. Davon sehen wir nur noch vereinzelte.
Moni ist hungrig, ich auch, und wir gehen in ein Restaurant. Für Moni gibt es Hirschbraten und für mich Forelle.
Wir wandern weiter bis zum kleinen Museum. Das schauen wir uns an. Ausgestellt werden im Wesentlichen traditionelle slowakische Trachten. Eine junge Frau lässt sich so eine Tracht anziehen und macht verzückt Selfies. Uns reicht das Anschauen. In der oberen Etage ist eine Fotoausstellung mit alten Bildern über das Leben in Zdiar.
Wir wandern zurück und ich resümiere für mich. Ich war mit meinen Eltern hier vor 55–60 Jahren. Da sah alles viel volkstümlicher aus. Heute ist Zdiar ein Urlaubs- und Ski-Paradies.
Wir werden die Nacht hier oben in Zdiar auf 1022 Metern verbringen. Morgen beginnt die fünfte Woche unserer Reise und die beginnen wir mit der Weiterreise ins Slovensky Raj, das Slowakische Paradies.







