07.09.2026, Montag, Prag, 8 km Wanderung durch die Stadt
Heute ist noch mal Prag angesagt, wandern bis die Füße weh tun. Wir gehen es langsam an. Gegen 11:00 Uhr erst marschieren wir wieder zur Anlegestelle der kleinen Fähre, Ceska Louka. Wir setzen über zum Ostufer der Moldau und fahren mit der Straßenbahn bis zur Haltestelle Karlsbrücke.
Es scheint nicht so viel Betrieb zu sein wie gestern. Wir überqueren die Karlsbrücke und beobachten die Blödheit mancher Touristen. Besonders schön sind die gestellten Posen mancher schönen und weniger schönen Frauen für das Fotografieren mit dem Smartphone. Ich denke, als es noch keine Smartphones gab und auf Zelluloid gebannt wurde, wurde weniger fotografiert.
Wir laufen die Mostecka Ulica entlang, hin zum Malostranske Namesti. Hier machen wir erst mal Halt im Malostransky Cham, der Kirche zum Heiligen Mikulas. Kirchen sind uns immer willkommen. Da entkommt man den Massen an Touristen und kann sich ausruhen.
Weiter geht es hoch zur Prager Burg. Wir kommen an den vielen Botschaften anderer Länder vorbei. Nicht verstehen wir, dass an vielen Botschaften die Flagge der Ukraine zu sehen ist. Unglaublich, was soll diese einseitige Orientierung und deren Auswirkung auf die Vorbeilaufenden.
Einen Halt machen wir dann doch noch, der Hunger ist da und wir sitzen in einem kleinen alten tschechischen Restaurant. Ich esse leckere Entenkeule mit Rotkraut.
Und oben auf der Burg stehen wir dann, wie soll es anders sein, stehen wir vor dem Sitz des tschechischen Präsidenten. Neben den zwei Wachposten in Paradeuniform treiben sich auf dem Gelände Militärpolizisten bewaffnet mit Pistolen herum. Man scheint sich bedroht zu fühlen, denke ich.
Seitlich kommen wir über einen Eingang in die Burg hinein und stehen vor der Kathedrale der Heiligen Vita. Wir dürfen nicht rein, wir würden eine Eintrittskarte brauchen. Wir wählen das ab. Auch die Ausstellung zum Thema Wachmannschaft der Burg besuchen wir aus Mangel an Eintrittskarten nicht. Und auch das Goldene Gässchen bleibt uns verwehrt. Aber das macht nichts, wir waren so oft hier oben und haben alles schon einige Male gesehen. Einzig in das Palais der Familie Lubkowiec kommen wir hinein. Die Fotogalerie ist interessant, aber was die Adligen Lubkowieces an Bildern gesammelt haben, interessiert uns nicht sonderlich. Vielmehr besuchen wir den Balkon des kleinen Cafés. Von hier haben wir einen tollen Ausblick auf die Dächer von Prag.
Wir steigen hinunter von der Burg und gehen rechts von der Brücke runter, da, wo das Flüsschen Certovka langfließt. Wir kommen dahin an der Festung der Malteser vorbei und lassen uns an der Velkoprevorsky Mlyn nieder. Eine alte Wassermühle, deren Rad sich noch dreht. Das ist gut anzuschauen bei einem Bier.
Eigentlich ist unser Pragbesuch nun zu Ende. Aber einen Programmpunkt haben wir noch, auf der anderen Seite der Moldau. Wir wandern über die Brücke durch die Stadt und treffen uns mit meinem Kollegen aus alten Alstom/Areva/GE-Zeiten, dem Ruslan.
Das war noch mal richtig emotional, lange haben wir uns nicht gesehen. Und wir haben uns viel zu erzählen und ich erfahre viel über mein altes Team und den Niedergang des Business seitdem die GE, also amerikanisch sind. Gut, dass ich raus bin aus diesem Geschäft.












08.09.2026, Dienstag, Prag – Spindleruv Mlyn, Spindlermühle, 153 km, nur 6 km Wanderung
Wir haben nun viele Gebirge in der Slowakei bewandert und in Tschechien nur eines soweit. Ganz am Anfang unserer Reise waren wir ja im Böhmerwald. Heute nun geht es ins Riesengebirge, Krkonose.
Von Prag führt uns unsere Fahrt über Autobahnen und Landstraßen, die wir vor 3 Tagen schon gefahren sind. Wir fahren durch Orte wie Jicin und Mlada Boleslav.
13:00 Uhr sind wir schon in Spindleruv Mlyn, Spindlermühle. Unser Ziel ist nicht zu wandern hier. Nein, wir wollen die Möglichkeiten für das Wintercamping erkunden. In Spindlermühle gibt es zwei solche Möglichkeiten. Aber die erste scheidet aus, zu eng. Wir entscheiden uns für das Camp Medvedin. Es bietet viel Platz auf einer großen Wiese am Anfang der Elbe, wo der Fluss noch ein großer Bach ist. Das Camp ist nahe an den Skiliften und wie wir hören, sind die zwei Skigebiete schon verbunden. Na, das werden wir wohl im kommenden Winter versuchen. Da brauchen wir nicht bis Österreich und das Hotel werden wir mit unserem Hymer ersetzen. Winterfest ist der ja. Na, wir werden das Anfang Februar nach unserer Rückkehr aus Kanada testen.
In Spindlermühle ist uns also nicht mehr nach wandern. Wir sind genug gewandert und gelaufen auf dieser Reise. Moni hat mit dem Schrittzähler ihres Smartphones schon 250km gezählt. Also laufen wir nur den Ort ab und schauen uns zwei Liftstationen, deren Talstationen, an. Wir essen gut zu Mittag, Forelle, Müllerinnen Art würden die bei uns sagen. Und essen Eis.
Das Wetter ist immer noch sommerlich und wir sitzen eine ganze Weile vor dem Wohnmobil. Wir genießen den Blick auf die Berge. Dabei legen wir uns einen Plan für unsere Weiterreise zurecht. Morgen Liberec, übermorgen Zittau, dann Radebeul und Dresden, weiter Großenhain und dann noch Halt in Diehlo. Dann sollten wir eine Reihe unserer Freunde abgearbeitet haben und wir werden pünktlich zur Wahl in Mecklenburg-Vorpommern zurück sein.






09.09.2026, Mittwoch, Spindleruv Mlyn – Liberec, Reichenberg, Jeschken, 95 km
Heute fahren wir durch das Isergebirge. Lange führt uns die Straße direkt am Fluss Jezera, Iser, entlang. Die Straße ist kurvenreich und abschnittsweise auch eng. Wir fahren durch Orte wie Vrchlaby, Hohenelbe. Dann kommt der Abzweig nach Hacharov, Hachersdorf. Und es geht durch Turnov. Alle diese Städtenamen sind uns noch bekannt. Wir sind früher aus Zittau und später aus Dresden ins Riesengebirge und Isergebirge gefahren. Das war eine tolle Zeit. Wir hatten zwar nicht viel, aber viele Erlebnisse, alleine, als Familie mit den Kindern und Freunden.
Gegen 12:00 Uhr erreichen wir den Stadtrand von Liberec, Reichenberg. Wir biegen ab, fahren nicht in die Stadt, sondern fahren hoch zum Jested, Jeschken. In der Stadt werden wir morgen Halt machen auf unserer Fahrt weiter nach Zittau.
Wir parken kurz unter dem Gipfel des Jeschken. Hier können wir auf dem großen Parkplatz im Wald bis morgen stehen.
Es ist 13:00 Uhr, wir wandern das letzte Stück hoch auf die Bergspitze. Ein Stückchen auf einer schmalen Straße und dann weiter einen steilen Wanderweg. Eine halbe Stunde und wir sind oben am Fernsehturm. Der ist eine Verlängerung der Bergkuppe zur Bergspitze. Von weitem gesehen erhebt der Fernsehturm die Silhouette des Berges Jeschken. Das Gebäude ist zwischen 1963 und 1973 entstanden. Die lange Bauzeit ist mit den Verzögerungen durch den Prager Frühling zu erklären. Der Turm stellt eine Hyperboloidkonstruktion dar. Der Architekt Karel Hubacek wurde dafür mit dem internationalen Auguste-Perret-Preis ausgezeichnet. Aber erst nach dem Fall des Eisernen Vorhangs. An der Einweihungsfeier 1973 durfte er nicht teilnehmen, weil das Vorhaben zu westlich war und zu viele Importmaterialien verwendet wurden.
Im Gebäude lese ich, dass die Region Liberec das Gebäude von der Radio/Televisionsfirma gekauft hat und es im Stil der 70er Jahre rekonstruieren will.
Im Restaurant des Teletowers essen wir zu Mittag. Das letzte Mal in diesem Jahr wohl, Schweinebraten mit viel Sauce, Knödeln und natürlich Bier und Slivovice.
Wir wandern runter zum Parkplatz, genießen noch den Ausblick und ziehen uns dann in unser Wohnmobil zurück. Es fängt an zu regnen. Und damit war‘s das wohl. Eigentlich wollten wir grillen, aber aus BBQ wird nun nichts. Moni kocht Spaghetti.










10.09.2026, Donnerstag, Liberec, Reichenberg, (CZ)- Zittau (D), 54km und 5 km Fahrrad
Auf dem großen Parkplatz gleich unterhalb der letzten Höhenmeter zum Fernsehturm haben wir nicht ganz alleine gestanden. Nein ein Camper aus Großbritannien mit Rechtssteuerung stand auch hier. Aber der ist schon vor dem Aufstehen weggefahren.
Und mein erster Blick aus unserer Campertür konfrontiert mich mit zwei Rentnern aus Dresden. Die sind gerade angekommen mit ihrem Auto und reden „scheen Sechsch“.
Für uns geht es heute zurück in das Deutsche Wunderland. Aber erst mal müssen wir mit dem Wohnmobil die Serpentinen nach Liberec runter. Das klappt und wir fahren erst mal in die Stadt und wollen einkaufen. Der erste Parkplatz an einem Supermarkt ist zu klein zum Rangieren und Parken. Also fahren wir erst mal tanken und machen auch den Kanister voll. 1,80€ per Liter, ein Schnäppchen. Ab dem nächsten Tanken im Wunderland erwarten uns wieder mindestens 50 Cent pro Liter mehr. Na wir geben das dann auch wieder gerne, um die Blinden am Steuer zu alimentieren.
Und dann finden wir noch einen geeigneten Supermarkt und wir kaufen Tschechischen Wein und allerlei Schnäpse zum verschenken daheim.
11:46 Uhr überschreiten wir die unbewachte polnische Grenze. Wir fahren über einen Zipfel des Nachbarlandes und kommen 5 Minuten später an die schwerbewachte Deutsche Grenze. Zwei gelangweilte Zöllner und ein „liegender Polizist“ verursachen auch ohne ihre Bewegung die gewünschte Verlangsamung des Lebens, Stau. Na wir kommen unkontrolliert durch, obwohl wir die Personalausweise schon bereithalten. Wir sind eben vertrauenswürdige Rentner.
Wir fahren nach Zittau rein an der alten Kaserne. Da saß zu unserer Zitauer Zeit die Wohnungsverwaltung drin und wir haben dort die Farbe abgerechnet, für die Renovierung unseres Treppenhauses auf der Äußeren Weber Str. 20. Da haben wir damals als Assistenten an der TH Zittau gewohnt. Und dann fahren wir den „Ring rum“, vorbei an der Blumenuhr, der Kirche wo das berühmte Fastentuch hängt und dem Gerhard Hauptmann Theater. Über die Dresdner Straße geht es dann Richtung Olbersdorf.
Gegen 12:00 Uhr melde ich uns im Seecamping am Olbersdorfer See an. Der Campingplatz ist erste Klasse, entstanden im Rahmen einer Landesgartenschau. Wirklich schön gepflegt an einem rekultivierten Braunkohlentagebau.
Nach einer ausgedehnten Mittagsruhe holen wir die Fahrräder raus. Wir fahren zum Restaurant Dresdner Hof und treffen uns mit Monika, einer früheren Kollegin von uns an der Ingenieurhochschule und späteren Technischen Hochschule. Sie hatte damals meine Doktorarbeit getippt. Wir sitzen lange zusammen bei viel Wein und gutem Essen. Es gibt viel zu erzählen von den alten Zeiten und was der eine oder andere frühere Kollege macht. Es war schon ein signifikanter Lebensabschnitt für uns damals in Zittau.
Es ist stockdunkel, als wir mit den Fahrrädern zum Hymer zurückfahren. Den Weg am See finden wir nicht, wir müssen fahren wie die Autos.

11.09.2026, Freitag, Zittau – Dresden, 135 km
Heute geht es Richtung alter Heimat, auch in Dresden haben wir mal gewohnt, von 1989 – 1995 Dresden-Gorbitz. Aber auch davor bin ich schon mal 1956 in Dresden geboren und wir haben damals auf dem Münchener Platz und kurz danach auf der Schweizer Straße gewohnt. Aber deswegen fahren wir nicht nach Dresden. Vielmehr geht es um die gute alte Zeit in OBSAD, AEG und Alstom AREVA. Frühere Kollegen wollen wir treffen.
Wir fahren also Richtung Weißsenberg und dann auf der Autobahn bis Dresden, Flughafen. Diese Abfahrt haben wir früher immer genommen, wenn wir morgens von Großenhain nach Dresden zu OBSAD gefahren sind.
Wir kommen vorbei an unserem OBSAD, VEB Otto Buchwitz – Starkstromanlagen Dresden, oder später AEG Starkstromanlagen Dresden. Kurz danach die alte Heeresbäckerei. Hier treffen wir den Thomas, einen Kollegen aus der Zeit der Arbeit in Dresden. Wir essen beim Griechen in der Heeresbäckerei und erinnern uns an die guten alten Zeiten.
Dann geht es weiter zu einem anderen Kollegen. Wir besuchen ihn in Dresden Blasewitz. Mit Nedialko, seiner Frau Anna und Sohn David wird erst gegrillt und dann sitzen wir bis spätabends bei Bulgarischem Wein.
Wir Übernachten in unserem Wohnmobil direkt auf der Straße in Blasewitz.

12.09.2026, Sonnabend, Dresden – Radebeul, 18 km
Nach einem gemeinsamen Frühstück mit unseren Freunden geht unsere Fahrt weiter nach Radebeul. Wir wollen uns mit Ecki und seiner Frau treffen. Aber wir sind zeitig dran und beschließen erst das Karl May Museum in Radebeul zu besuchen. Ich war als kleiner Junge dort oft in den Sommerferien, wenn ich bei meiner Oma in Dresden als Feriengast gewesen bin. Später, als wir in Gorbitz wohnten, waren wir auch mit unseren Kindern im Indianermuseum. Inzwischen haben wir alles über und um das Museum vergessen und so ist die Wissensauffrischung über Karl May und seine Romanfiguren und -Inhalte willkommen.
Am frühen Nachmittag geht es weiter zum Bootshaus des Rudervereines Radebeul, direkt an der Elbe. Hier haben wir unseren Stellplatz für die Nacht. Es ist ein wunderschöner Rasenplatz für Camper, der vom Ruderclub betrieben wird. Wir treffen uns mit Ecki unserem Segelfreund und seiner Frau Anita zum Kaffeetrinken.
Am Abend gehen wir nach Altkötzschenbroda ins Restaurant „Die schmiede“ zum Abendessen.



13.09.2026, Sonntag, Radebeul – Großenhain, 27 km
Der letzte Tag der siebenten Woche unserer Sommerreise ist angebrochen. Wir setzen unsere Besuchstour bei Freunden fort. Unsere Fahrt geht nach Großenhain.
Unser erstes Ziel ist die alte Mühle in Großenhain. Hier wohnen unsere Freunde und Nachbarn aus unserer Großenhainer Zeit. Wir sitzen zum Mittag und Kaffeetrinken mit Edeltraut und Mathias und deren Hund und quatschen über die neue Zeit als Camper. Die haben auch ein Wohnmobil und da gibt es was auszutauschen.
Weiter geht es zu den nächsten Freunden und ehemaligen Nachbarn Jörg und Patti. Hier gibt es Getränke und Gesprächsstoff für einen langen Abend.








